Die "Unkultiviertheit der Feministinnen" auf Puls 4

TV-Notiz Dass eine Frau nicht möchte, dass ihr die Hand geküsst oder die Tür aufgehalten wird, ärgert Benimmpapst Thomas Schäfer-Elmayer offenbar wirklich.

Alexandra Stanic, Anne Wizorek, Maximilian Pütz, homas Schäfer-Elmayer (v.l.n.r.)
Alexandra Stanic, Anne Wizorek, Maximilian Pütz, homas Schäfer-Elmayer (v.l.n.r.)
Alexandra Stanic, Anne Wizorek, Moderatorin Manuela Raidl, Maximilian Pütz, homas Schäfer-Elmayer (v.l.n.r.) – (c) Screenshot

„Mir ist das ehrlich gesagt herzlich wurst, ob mir jemand in den Mantel hilft.“ An dieser kleinen, fast nebensächlichen Aussage der Journalistin Alexandra Stanic zeigte sich am Mittwochabend bei einer Diskussionsrunde auf Puls 4 ein Spannungsfeld, das Thomas Schäfer-Elmayer mehr als aufwühlte. Dabei hätte es beim Thema „Wo liegt die Grenze zwischen Flirt und Belästigung“ genügend andere Aussagen gegeben, die für Aufregung sorgen. Aber es sind die kleinen Dinge, die Weltbilder ins Wanken bringen.

So, wie Schäfer-Elmayer es sieht, würde die Frau in der Gesellschaft „Gott sei Dank im Rang höher stehen als der Mann“, das sehe man etwa daran, dass sie bei der Begrüßung sitzen dürfe, während der Mann aufstehen müsse. Er würde jungen Leuten genau das beizubringen versuchen, was die beiden anwesenden Frauen "scheinbar ablehnen", nämlich "diese Achtung, diesen Respekt, dieses gute Benehmen". Wieso die beiden anwesenden Feministinnen (neben Stanic war Anne Wizorek, Gründerin der virtuellen Aktion #aufschrei geladen) die Respektbekundungen, das Türaufhalten, den Handkuss, nicht wertschätzen, war ihm ein Rätsel. "Das ist kultivierte Lebensart. Nur leider Gottes verstehen Sie offenbar nichts davon", entfuhr es Schäfer-Elmayer.

Da werden Frauen also durch gesellschaftliche Regeln erhöht – und lehnen es ab? Sie wollen nicht erhöht werden, meinten die Feministinnen unisono, sondern beruflich und gesellschaftlich gleichberechtigt. Ganz so stringent blieben sie aber nicht immer: Sie sprachen den beiden anwesenden Männern teils das Recht ab, über Dinge zu reden, von denen sie nicht betroffen seien und sparten auch nicht mit überstrapazierten Floskeln wie „weiße, priviliegierte, heterosexuelle Männer“. Wobei auch der zweite Mann in der Runde, der Flirtcoach und „Pick-Up-Artist“ Maximilian Pütz, Verallgemeinerung nicht abgeneigt war. Die meisten Frauen würden „immer noch so funktionieren wie in den 50er Jahre“, meinte er, andererseits gebe er viele „hysterische Harpyien“.

Sind wir nach der Sendung klüger, was Flirt und Belästigung, Grenzen und Übertritte betrifft? Nicht wirklich. Die Wahrheit, wie Schnitzler sagt, liegt nicht in der Mitte, sondern in der Tiefe. Und die umfasst auch die Frage, für wen welche Traditionen Gültigkeit haben. Schäfer-Elmayer blieb zu sagen: "Das ist, glaube ich etwas, wo der Feminismus einen schweren Fehler macht: Wir haben eine Jahrtausende lange Entwicklung, in der die Frau zu einer Höherstellung gekommen ist - das gibt es in keiner anderen Kultur. Immer, wenn wir das so wegwischen, gehen Traditionen verloren."

Die politische Diskussionssendung "Pro & Contra" auf Puls 4 widmet sich in einer Sommerreihe der körperlichen Liebe. Am 18.7. waren zu Gast:

  • Thomas Schäfer-Elmayer, "Benimmpapst", Leiter der Tanzschule Elmayer
  • Anne Wizorek, Feministin und Gründerin der Aktion #aufschrei
  • Maximilian Pütz, Flirtcoach/“Pick-Up-Artist“
  • Alexandra Stanic, Journalistin, biber

Die Sendung zum Nachsehen hier >>>

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