Händewaschen, eine Sache von Leben und Tod

Wasser und Seife Marsch! Ein Fernsehmoderator, der behauptete, seit zehn Jahren seine Hände nicht gewaschen zu haben, brachte Hygieneexperten zum Schäumen.

Eine Hand wäscht die andere: Besser zusammen Hände waschen als gar nicht, raten auch Gesundheitsorganisationen.
Eine Hand wäscht die andere: Besser zusammen Hände waschen als gar nicht, raten auch Gesundheitsorganisationen.
Eine Hand wäscht die andere: Besser zusammen Hände waschen als gar nicht, raten auch Gesundheitsorganisationen. – Die Presse

Pete Hegseth gestikuliert. Dreht seine Handflächen nach oben, wedelt damit herum, legt sie auf seinen Schoß, streicht mit den Fingerspitzen über seine Hose. Auf seinem Zeigefinger steckt ein breiter Ring. Unter so einem Ring kann sich viel Dreck verstecken: Feuchter Staub, abgestorbene Hautzellen. Vielleicht auch ein bisschen eingetrocknete Tomatensauce von der Pizza vorhin. Auf jeden Fall aber ein Haufen Bazillen, Viren, Parasiten, Pilzsporen. Nicht zu vergessen: Klitzekleine Kotreste! Ob sich ein paar dieser Kleinstlebewesen wohl von der Haut lösen und durch die Luft wirbeln, als der Mann plötzlich in die Hände klatscht? Und sie auch noch aneinander reibt, als würde er die Keime, die in den Hautfalten zwischen seinen Fingern leben, mal ordentlich über seine Handrücken verteilen wollen, ihnen gleichmäßig frische Luft zukommen lassen?

Manche der rund 1,6 Millionen Fernsehzuschauer, die die Frühsendung „Fox & Friends“ auf Fox News durchschnittlich sehen, dürften den Ausführungen von Moderator Pete Hegseth am Sonntag mit wachsendem Ekel gefolgt sein: Er wasche nie seine Hände, gab dieser da nämlich zu Protokoll. Nachdem seine Ko-Moderatoren ihn aufgezogen hatten, weil er hinter den Kulissen offenbar Pizzareste vom Vortag gegessen hatte, setzte er zu einem Geständnis an. Er wolle vor der Kamera fortan dieselben Dinge sagen wie dahinter. Und dazu gehöre: „Ich wasche nie meine Hände.“ Denn: „Keime sind nicht real. Ich kann sie nicht sehen, also gibt es sie nicht.“

Das ist natürlich auch ein gutes Argument, um aus dem Fenster zu hüpfen (können Sie die Schwerkraft etwa sehen?) oder den Fernseher einzumotten (über Antennen übertragene unsichtbare Signale – ha, der war gut!). Es war jedenfalls nicht das erste Mal, dass auf „Fox & Friends“ eine wissenschaftlich eher nicht so haltbare These vertreten wurde. Da der Einfluss der Sendung – vor allem in konservativen Kreisen – nicht zu unterschätzen ist, machten sich Gesundheitsadvokaten sofort auf, um Hegseths alternativen Fakten tatsächliche entgegenzustellen. Das Händewaschen beherrschte ein paar Stunden lang die Anglosphäre. „Händewaschen ist eine Sache von Leben und Tod“, schrieb der „Guardian“, der eine Hygiene-Expertin interviewte. „Pete, du musst wirklich deine Hände waschen, Mann“, riet das Männermagazin „Men’s Health“. „Mit Seife!“, will man nachrufen.

Hegseth dürfte sich bei all der Aufregung die Hände gerieben haben. Die eh ganz sauber sein dürften. Denn: Alles nur Spaß. „Die Medien sind so selbstgerecht und WÜTEND! Macht Euch locker und habt ein bisschen Spaß“, zitierte er seinen Präsidenten.

Was der - übrigens ein regelmäßiger Zuschauer der Sendung - von dem Scherz gehalten hat, ist nicht überliefert. Man weiß nur: Donald Trump ist erklärt mysophob, hat also Angst vor Keimen. Seine Hände wäscht er ganz vorbildlich.

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