Kunstwerte

Kunstmarktethik

Mit einem Verhaltenskodex, der auch in die künftigen Ausstellerverträge eingearbeitet wird, macht die Art Basel den Saubermacher des Kunstmarkts.

„Art Market Principles and Best Practices“ heißt das Papier, mit dem die Art-Basel-Betreiber nichts weniger als den Beginn einer neuen Ära auf dem Kunstmarkt eingeläutet haben. Das schlanke Dokument enthält zwei Teile: Teil eins besteht aus vorgeschlagenen Verhaltensregeln für die Aussteller auf der Messe, der zweite Teil umfasst rechtliche Compliance-Regeln, die kriminelle Aktivitäten betreffen, die in direktem Zusammenhang mit den Handelsaktivitäten eines Ausstellers stehen. Dieses Dokument wird in die Verträge mit den Ausstellern eingearbeitet. Erstmals wird es für die Bewerber zur Art Basel Miami 2018 zum Einsatz kommen.

Mehr Transparenz. Tatsache ist, der Kunstmarkt ist immer noch zu großen Teilen nicht reguliert und intransparent. Zumindest gibt es keine Gesetze, die den Markt rechtlich regeln. Viele Geschäfte laufen auf Handschlagbasis. Dass gerade die Art Basel diesen Schritt setzt, ist aber mutig, denn die Weltmarktführer unter den Galeristen unterschreiben zu lassen, dass sie sich verpflichten, sich nicht in kriminelle Machenschaften zu involvieren oder wissentlich gefälschte Kunst zu verkaufen, wird vielen in die falsche Kehle geraten. Auch der Umstand, dass unter den Verhaltensrichtlinien vermerkt ist, dass Künstler einen „adäquaten Preis“ für ihre Werke erhalten sollen, wird bei vielen für hochgezogene Augenbrauen sorgen.

„Es gibt kein Äquivalent zur Börsenaufsicht. Aber bei Betrug, Diebstahl oder Vertragsbruch hat der Käufer eines Kunstwerks dieselben Rechte wie der Käufer eines Autos oder einer Immobilie. Die Behauptung, der Kunstmarkt sei unreguliert, stimmt so nicht. Es war uns wichtig klarzumachen, wie Galerien operieren. Unsere Einschätzung ist, dass die allergrößte Mehrheit der Galerien genau so arbeitet, wie wir es umrissen haben. Außerdem gibt es ja Weltregionen, in denen das Galeriesystem noch neu ist und der Kunsthandel keinen eingeführten Modus Operandi kennt“, begründet Art-Basel-Chef Marc Spiegler den Grund für das Compliance-Dokument in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Damit wolle die Art Basel den Ruf des Kunstmarkts, der Galerien und nicht zuletzt der eigenen Veranstaltungen schützen.

Heute ist es Standard, dass sich zumindest im Westen aktive Unternehmen und Konzerne Compliance-Regeln unterwerfen. Die Art Basel als weltweit führender Messeveranstalter gilt als oberste Messlatte für Qualität auf dem Kunstmarkt. Wenn es jemand schafft, Compliance-Regeln auf dem Kunstmarkt zu etablieren, dann ist es die Art Basel.

kunstwerte@diepresse.com

diepresse.com/kunstwerte

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2017)

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