Wann darf ein Künstler sich einer Katastrophe bedienen?

Damien Hirst malt nach dem Bostoner Attentat Schmetterlinge – Symbole von Tod und Auferstehung. Tröstend! Doch die Grenze zur Betroffenheitskunst ist rasch überschritten.

 

Ein Tupfen Rosa hier, ein Strich Schwarz da, langsam, langsam färbt sich der Flügel des Schmetterlings. Gestern, Dienstag, konnte man Damien Hirst über Internet live dabei beobachten, wie er Schmetterlinge malte. Früher hat er sie aufgespießt, jetzt hält er sie auf Leinwand fest, groß, bunt, kitschig. Symbole des Todes, der Auferstehung, des ewigen Lebens, vom alten Ägypten bis ins Christentum. Und wahrscheinlich war es einfach Zufall, dass der Brit-Art-Star sich gerade am Tag nach den Bostoner Bombenanschlägen an die Arbeit machte. Die zur tröstenden Trauerarbeit wurde. Tröstend, weil sie einen der Jetztzeit enthob. Weil sie die Geschwindigkeit nahm, durch den Verweis auf die Menschheitsgeschichte den Alltag relativierte. Geschieht dies mit allzu offensichtlicher Absicht, spricht man schnell von „Betroffenheitskunst“. Um diesen Begriff spinnt sich eine heftige Diskussion, vor allem, seit durch den Aufstieg dokumentarischer Konzepte Künstler Krisenherde in aller Welt ausschlachten. Wann darf sich ein Künstler einer Katastrophe bedienen? Darf er auf Kosten des Leides anderer Ruhm schinden?

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2013)

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