Ai Weiwei, das Schlauchboot ist voll

Ausgesetzt dem allzu Verständlichen: In Prag eröffnet heute die neue Megainstallation des Chinesen.

Ai Weiweia 70 Meter langes, schwarzes Schlauchboot
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Ai Weiweia 70 Meter langes, schwarzes Schlauchboot
Ai Weiweia 70 Meter langes, schwarzes Schlauchboot – APA/AFP (MICHAL CIZEK)

Ai Weiwei hat seine Fans in den vergangenen drei Jahren auf die Probe gestellt: Wer seine Aktionen früher geliebt – die 1001 Chinesen, die er 2007 zur Documenta nach Kassel geschickt hat – oder sie subtil gefunden hat – die minimalistische Landschaft aus Tonnen in Handarbeit wieder gerade gebogenen Stahlrohren etwa, die bei einem Erdbeben in Sichuan 2008 aus zerstörten Billiggebäuden geragt haben –, steht ratlos vor der gnadenlosen Schlichtheit manch neuerer Werke. Seit Ai Weiwei in Berlin wohnt und sich mit bekannt großer Geste „unserer“ Flüchtlingskrise widmet, gibt's plötzlich Kritik. Wir tun uns schwer. So schwer, wie sich wohl die Chinesen damit tun, wenn Ai Weiwei ihre Probleme künstlerisch aufgreift. Der Unterschied liegt im Zusammenhang. So rührt es uns etwa, wenn Ai Weiwei die Schultaschen der Sichuan-Erdbebenopfer an Museumsfassaden aufhängt. Wenn er aber die Schwimmwesten aufhängt, die Flüchtlinge zurückgelassen haben, erscheint es uns zu laut, zu simpel, zu populistisch.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2017)

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