Zur Frage der Herkunft des Homo sapiens mopsiensis

Die Kaiser der Drei Reiche, Wèi, Shŭ und Wú, ehrten die Bonsai-Molosser mit dem Titel „weiser Mensch“.

Die Herkunft des Vulgobegriffs „Vollmops“, lat. Homo sapiens mopsiensis, ist unter Fachleuten umstritten. Es gibt eine orale Tradition, welche die „Geburt“ des Vollmopses aus dem Rollmops behauptet. Irgendwann wäre demnach der Vollmops einem Tippfehler der Natur entsprungen. Dadurch fiele ein eigentümliches Licht auf die Kompetenz des tippenden Subjekts – Gott oder was? –, sind doch, vergleichsweise, bei der deutschen Standardtastatur die Buchstaben „R“ und „V“ durch eine ganze Reihe voneinander getrennt.

Ohnehin dürfte es sich beim „Vollmops“ eher um den essenzialistischen Gebrauch der Vorsilbe „voll“ handeln, nämlich durch das Nachwirken einer platonisch-aristotelischen Misch-Ontologie. Ihr zufolge ist der reinrassige Vollmops die „synkretistische Idealnormgestalt“ (entelecheidos) des gemeinen Mopses, gemeinhin bekannt als die englische Hunderasse Pug, FCI-Gruppe 9, Sektion 11, Standard Nr. 253.

Was den neulateinischen Terminus „Homo sapiens mopsiensis“ betrifft, so sei er, glaubt die komparative Sinologie zu wissen, ursprünglich einem chinesischen Epitheton ornans geschuldet. Denn spätestens zur Zeit der Drei Reiche unter den Kaisern Wèi, Shŭ und Wú, 220 bis 280 n. Chr., habe der priesterliche Rat den Bonsai-Molossern aufgrund ihres herausragenden philosophischen Charakters der Ehrentitel „Mannmensch“, kurz: „weiser Mensch“ (lat. Homo sapiens), verliehen.

Bedauerlicherweise wurde dem Leben, Lieben und Leiden des modernen Vollmopses wenig Aufmerksamkeit zuteil. Einzig im Rahmen „humoristischer Adnoten“ informiert ein ansonsten wenig bekannter Autor – das „Herrchen“ – seine „Qualitätsleserinnen“ gelegentlich über Wesenszüge des Homo sapiens mopsiensis, leider ohne die existenzielle Frage „Wie vermehren sich Vollmöpse?“ eindeutig zu klären. Hier einige Ausschnitte des am 17. Juni 2009 ad notam Genommenen:

„Gerade habe ich meinen Vollmops Paul äußerln getragen, denn er ist durch den Verzehr von Sachertörtchen, und zwar jenen mit den lustigen Schlagobersöhrchen, ein wenig bewegungsträge geworden. Dabei warfen wir zwischen den Absetzphasen zur Verrichtung des zu Verrichtenden das eine oder andere Auge auf die wohlgebaute Möpsin, die neuerdings in unserer Gegend äußerln geführt wird. Sie tut so, als ob wir Luft für sie wären, indem sie kokett eines ihrer stämmigen Hinterbeinchen hebt – nanu, ist das etwa möpsinnenfein? –, um alles, was irgendwie nach oben steht, mit dem damenhaften Erfolg zu markieren, dass sie ein Lackerl unter sich auf den Boden spritzt. Reizend! Zum Abknutschen!! Wir haben sie ,Paula‘ getauft, weil wir uns nicht trauen, ihr Frauerl anzureden, das ebenfalls tut, als ob wir beide unsichtbar wären.“

„Während Paul die Lackerlproduktion Paulas angeregt beäugt, rührt sich etwas bei ihm, aber bitte, in Ehren. Denn Paul ist libidinöser Idealist. Er liebt die Idee des Eros, wohingegen ein Schatten der Befremdung rund um seine allerliebst Basedow'schen Äuglein davon zeugt, dass Paul sich beim Anblick des groben Ausagierens fleischlicher Gelüste tiefinnerlich abgestoßen fühlt.“

Dieses sublim träge Begattungsgebaren repräsentiert, zumal in Zeiten verwurmter „Schoßgebete“, ein Zeichen höchster Zivilisiertheit. Gleichzeitig bildet es, mit Blick auf die nicht gerade boomende Nachkommenschaft, auch einen Grund zur Sorge angesichts dessen, was uns der unsterbliche Loriot als geistiges Testament hinterließ: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“


E-Mails an: peter.strasser@uni-graz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2011)

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