Im Herzen rot, aber . . .

Erwin Pröll hat seine Absolute in Niederösterreich verteidigt, die Opposition steht wieder auf Feld Nummer eins.

Die sinnloseste Frage ist derzeit, wer Erwin Pröll als Landeshauptmann von Niederösterreich nachfolgen könnte. Es wird keinen Nachfolger geben. Pröll ist kerngesund und kann die nächsten Jahre weiter uneingeschränkt tun, was er für richtig hält.

Kritische Journalisten werden ihm bis auf Weiteres nicht auf die Nerven gehen, sondern erst wieder kurz vor der nächsten Wahl zum obligatorischen, großen Pröll-Interview anreisen. Alles wie gehabt.

Frau Petrovic bleibt, Frau Rosenkranz bleibt und die niederösterreichische SPÖ tut mit Verve, was sie am besten kann: sich gegenseitig absägen und planieren und dann wieder neu aufstellen.

Die niederösterreichische ÖVP hat traditionell einen starken Obmann und brave, dienende Funktionäre. Anders die SPÖ: Dort steht traditionell ein schwacher Obmann an der Spitze, während im Hintergrund dominante rote Bezirkskaiser die Messer wetzen.

Der Rücktritt von Sepp Leitner als SPÖ-Chef war ein richtiger Schritt. Erwähnt sei aber auch die Rolle der Bezirkszampanos. Nachdem Leitner einen kantigen Oppositionskurs ausgerufen hatte, nickten zunächst alle brav: „Super Sepp, so mach ma das!“ Doch dann wurde es unbequem. Gibt es in Prölls Country nämlich Widerstand, wird der Wind rasch sehr rau. Dann läutet das Telefon beim roten Bürgermeister. „Geht's gut?“ Danke, alles bestens. „Was macht das Wohnbauprojekt? Läuft alles?“ Ja danke, läuft alles. „Schön. Und sollen wir das jetzt mit unserem Geld fertig bauen oder lassen wir es lieber so stehen?“ In der Regel verständigt man sich.

 

Ein Vorbild aus Hirtenberg

Aber, um ja kein zu negatives Bild zu zeichnen: Man kann mit der Landes-ÖVP schon ein gutes Auskommen pflegen. Man muss für die Gegenseite nur ein wenig steuerbar sein – und es lange bleiben.

Der SPÖ-Chef stand mit seinem Oppositionskurs nach kurzer Zeit ziemlich allein da: zu mühsam und de facto aussichtslos war die Lage angesichts der schwarzen Übermacht. Und warum sich auch quälen? Die Niederösterreicher wünschen sich ohnehin klare Machtverhältnisse.

Die Landes-SPÖ könnte sich aber gleich am Weg von Emil Schabl orientieren. Der ehemalige Landesrat und Ex-Bürgermeister von Hirtenberg wurde 2008 nach verlorener Wahl von seinen lieben Genossen abgesägt. Die ÖVP war da schlauer und pflegte weiter den Kontakt zu Herrn Schabl. 2010 trat er dann mit einer eigenen Liste gegen die SPÖ in seiner Gemeinde an und sitzt seither als zweitstärkste Fraktion im SPÖ-dominierten Gemeinderat von Hirtenberg.

Fast eine Erfolgsgeschichte: Die ÖVP hat eine rote Gemeinde gespalten, und Schabl hat eine eigene, erfolgreiche Liste – und keinen Ärger mehr mit den Genossen.

Das Modell könnte Schule machen, denn für eine echte Opposition fehlen der niederösterreichischen SPÖ sowohl der Wille als auch die nötige Leidensfähigkeit – und Pröll wird weiterhin die Geldflüsse lenken. Die SPÖ könnte sich 2018 aber offensiv in die Schlacht werfen, vielleicht mit dem Slogan: Im Herzen sind wir rot, aber im Land wählen wir Pröll!

Und wenn dann noch die SPÖ-Mitgliedsbeiträge über ein Raiffeisen-Konto laufen würden, wäre schon fast Zärtlichkeit im Spiel.

Christina Aumayr ist Unternehmerin. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin war 2005 Pressesprecherin im Sozialministerium.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2013)

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