Pro Kirchenprivilegien: Diskriminierendes System

Nicht Irrationalität und statisches Denken gehören vom Staat gefördert, sondern Bildung, Wissenschaft und Rationalität.

Obwohl ich mit meinem Verein zu den Unterstützern des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien gehöre, bin ich mit dem Namen nicht glücklich: Denn auf den ersten Blick scheint es gegen die Kirche zu gehen. Das ist nicht der Fall! Es geht auch nicht darum, einzelne Privilegien zu diskutieren, das sollen die Fachleute tun.

Es geht um ein diskriminierendes System, das der Staat zu verantworten hat. Das nennt sich: „gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaften“ (kurz: „Kirche“). Diskriminiert werden alle, die nicht an Übernatürliches glauben, das Leben mit Hausverstand bewältigen wollen und sich durch Austritt aus der Kirche auch dazu bekennen.

Sie können die Jungfräulichkeit einer Mutter verehren oder die leibliche Himmelfahrt eines Menschen behaupten. Wenn sie solchen Mumpitz verzapfen, dann werden Sie in Österreich noch gefördert und mit Privilegien überhäuft. Unlängst haben sich fünf winzige evangelikale Kirchen zusammengeschlossen, um auch an die Privilegientöpfe zu kommen! Dann müssen Sie nämlich für Ihre Kirchen keine Grundsteuer zahlen, Sie dürfen Schulen betreiben und unter dem Schutz des Staates (§188) weiter Unsinn verzapfen.

 

Schon 43Prozent Ungläubige

Mit anderen Worten: Der Staat fördert Irrationalität und statisches Denken! Was aber gefördert und privilegiert gehört, ist Bildung, Wissenschaft und Rationalität – das Einzige, was die Gesellschaft weiterbringt! Das ist auch gut für Katholiken! Weder die Demokratie, die Menschenrechte, Rechtssicherheit oder das Handy haben wir aus der Bibel, sondern das sind Ergebnisse der Aufklärung!

Seit 1945 nimmt die Zahl der Katholiken kontinuierlich ab und steht heute bei knapp über 63Prozent! Die Zahl der Gläubigen nach Selbsteinschätzung ist 2012 auf 42 Prozent gefallen, als „Ungläubige“ schätzten sich 43Prozent ein! Damit lag Österreich an achter Stelle der atheistischen Länder der Welt! Österreich ist also seit 2012 kein mehrheitlich katholisches Land mehr! Dem muss die Realverfassung Rechnung tragen!

Jeder weiß, dass Religion und Politik nicht zusammengehören. Religion ist nicht an Aufklärung interessiert, sondern an Verklärung. Was da herauskommt, sehen wir in allen Staaten, wo Religion noch das Sagen hat! Religiöse Abrüstung ist das beste Mittel gegen Willkür und die Grundlage von wirtschaftlichem Wohlergehen!

Dass wir uns nicht die Köpfe einschlagen, wie in heiligen Büchern propagiert, ist Folge der Aufklärung. Religionen dagegen hetzen bis heute gegen Ungläubige!

Das Projekt, durch Religion bessere Menschen zu schaffen, ist eindrucksvoll gescheitert! Aber Religionen dennoch mit Milliarden zu fördern ist anachronistisch! Und mit den Feiertagen hat es rein gar nichts zu tun!

Dr. Gerhard Engelmayer (*1947) ist Naturwissenschaftler, Kommunikationsberater und Vorsitzender des Freidenkerbundes Österreich.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2013)

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