Ältere Herren, jüngere Allrounder und eine Zynikerin

Gastkommentar. Warum Frauenmangel im Verhandlungsteam unsere geringste Sorge ist.

Die Frauen fehlen. Kritische Stimmen beklagen den Frauenmangel im Verhandlungsteam zur Regierungsbildung. Nur zwei rote Frauen und eine schwarze Frau leiten eine Untergruppe, ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm darf sich überhaupt nur in einer Arbeitsgruppe einbringen. Schittenhelm will die Themen Frauen und Familie jetzt aber genau beobachten.

Frauenthemen sind in der Volkspartei Familienthemen, und die letzte Debatte dazu, die Modernisierung unserer Bundeshymne, hat Klubchef Karlheinz Kopf bereits mit viel Aufwand verdrängt.

Aber brauche ich überhaupt eine Frau, um meine Rechte als Frau vertreten zu wissen? Nein. Sind Frauen die besseren Menschen? Auch nicht. Vor allem aber: Was habe ich als 35-jährige Unternehmerin von weiblichen Verhandlern zu erwarten? Nichts. Und das ist das Problem.

Okay, Ministerin Heinisch-Hosek hat bewiesen, dass ihr Frauenrechte ein Anliegen sind. Aber sonst? Soll ich mich von Innenministerin Mikl-Leitner vertreten fühlen, nur weil sie eine Frau ist? Sie wäre bei der Fremdenpolizei besser aufgehoben als in einem Ministeramt und verwechselt Zynismus gern mit Staatsräson.

Fehlende Frauen sind also nicht unser Hauptproblem, sondern vielmehr, wer überhaupt in den zentralen Verhandlungsgruppen sitzt. Josef Cap und Reinhold Lopatka verhandeln die Europa- und Außenpolitik. Weniger Interesse kann man diesem Bereich kaum entgegenbringen.


Ein neuer Mann für alles

Sinnvoll wäre gewesen, dass Hannes Swoboda und Othmar Karas diese Themen verhandeln. Beide wissen nämlich, wovon sie sprechen. Landeshauptmann Wilfried Haslauer verhandelt die Bildung. Hat es einen Salzburger im Verhandlungsteam gebraucht – oder warum genau ist er dort? Immerhin hat man ihm die Frauenagenden auch gleich umgehängt. Haslauer, der neue Mann für alles!

Besonders schön aber sind Andreas Khol und Hans Niessl in der Gruppe Staatsreform und direkte Demokratie. Kann man Khol als Anhänger der direkten Demokratie bezeichnen? Nein. Kann man den Föderalismus in seiner jetzigen Form beibehalten und dennoch eine große Staatsreform andenken? Nein. Damit ist der Status quo mit neuen Überschriften garantiert.


Neuer politischer Stil?

Lustig werden es auch Rudi Hundstorfer und Reinhold Mitterlehner haben. Wenn die beiden das Thema „Länger gesund leben“ behandeln, könnte den immer weniger werdenden Beitragszahlern glatt angst und bange werden. Da sitzen der künftige Wiener Bürgermeister und der Leider-doch-nicht-Landeshauptmann von Oberösterreich, um die heißen Eisen zu umkreisen und die Bevölkerung unter 45 Jahren mit Stillhalteparolen zu beschwichtigen.

Aber immerhin, eine kleine Revolution hat stattgefunden: Christoph Leitl verhandelt die Landwirtschaft. Wie hieß noch mal der lustige Burgenländer im Landwirtschaftsministerium?

Nur echte Verdrängungsexperten können in diesem Verhandlungsteam einen neuen politischen Stil erkennen. Mit personeller Erneuerung tun sich derzeit auch die Grünen schwer: Madeleine Petrovic verlässt die niederösterreichische Landespolitik und strebt ein EU-Mandat an. Schön, dass jetzt die rumänischen Hundeheime eine Sprecherin bekommen. Angesichts des Massengrabs im Mittelmeer aber wohl eher ein Randthema. Wer beschäftigt sich im Verhandlungsteam noch einmal mit Asyl- und Flüchtlingspolitik? Genau, Johanna Mikl-Leitner. Schade. Aber immerhin eine Frau!

Christina Aumayr ist Unternehmerin. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin war 2005 Pressesprecherin im Sozialministerium.

E-Mails an:debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2013)

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