Kuschelpädagogik mit absurder Konsequenz

Auch wenn Gutmenschen es nicht hören wollen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Kriminalitätsstatistik.

Wenn es um das Thema Ausländer geht, ist Vorsicht geboten. Nur zu leicht gerät man in eine Schublade, in die man eigentlich gar nicht hineingehört, die jedoch in Zeiten emotional geführter Diskussionen (und Diffamierungen) nur wohlfeil sind. Also hier, mit allem Nachdruck: Ich habe nichts gegen Ausländer (dieser Begriff wird sowieso viel zu pauschal verwandt!), erlaube mir aber andererseits, gegen die politische Korrektheit zu verstoßen, die Ausländer pauschal zu Heilsgestalten hochzustilisieren.

So geschehen dieser Tage wieder einmal bei der Kollegin Hamann. „Was willst du werden, Dragana?“, war da zu lesen. Ach ja, liebe Kollegin, wie schön wäre es, wenn Dragana und Mohammed in ein paar Jahren Ärzte, Anwälte oder Burgschauspieler usw. wären. Und in der Tat wird ein verschwindend kleiner Teil jener fast 50 Prozent der Ausländerkinder aus den Wiener Volksschulen dies auch werden. Aber eben nur ein verschwindend kleiner Teil – und dies liegt nicht nur an „unserer Gesellschaft“, wie Frau Hamann meint, es liegt im Wesentlichen an den Eltern von Dragana und Mohammed, die es versäumen, ihre Kinder zu Teilen dieser Gesellschaft zu erziehen.

Die immer wieder auch durch Pisa bestätigten Probleme beginnen damit, dass die Kinder in den Ausländerghettos die deutsche Sprache nur völlig unzureichend sprechen, weil sie sich zu Hause nur in ihrer Muttersprache verständigen, der Fernseher auf das Programm ihrer Heimat eingestellt ist und der Freundeskreis ebenfalls nicht Deutsch spricht. Wie sollen Dragana und Mohammed unter solchen Umständen das Rüstzeug erwerben, je über die Volksschule hinaus weiterzukommen?


Erschreckende Zahlen

Und auch wenn Gutmenschen es nicht hören wollen: Es gibt da einen Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Kriminalitätsstatistik. In Deutschland wurden kürzlich erschreckende Zahlen genannt. Bei den ausländischen Kindern verlassen im Schnitt 30 Prozent die Schule ohne Abschluss (bei den deutschen „nur“ acht Prozent, was natürlich immer noch zu viel ist), bei der Berufsausbildung ein ähnliches Bild: Rund 30 Prozent der Ausländer haben keine Berufsausbildung, bei den Deutschen knapp neun Prozent. Dagegen ist der Anteil ausländischer Tatverdächtiger und rechtskräftig Verurteilter bei den Deliktbereichen Raub und Diebstahl, Rauschgiftkriminalität und Körperverletzung überproportional hoch.

Der inzwischen als Mordversuch eingestufte Überfall zweier Serientäter auf einen Rentner in München als Beispiel: Als der hessische Ministerpräsident Koch dieses Thema aufgriff, war das Entsetzen darüber größer als das über die verbrecherische Tat. Nur am Rande: Die „Migrationspolitische Sprecherin“ der Grünen in Berlin, die Deutsch-Türkin Bilkay Öney, meinte zu diesem Überfall: „Wenn so etwas in der Türkei passiert wäre und ein Deutscher einen Türken fast totgeprügelt hätte, ihn auch noch mit ,Scheiß-Türke‘ beschimpft hätte, dann wäre er vermutlich gelyncht worden.“ Die Reaktion der Grünen darauf war bezeichnend: Sie waren „entsetzt“, distanzierten sich von Frau Öney und taten ihre Aussage als „Einzelmeinung“ ab.

Um es nochmals klar zu sagen: Ich wünsche mir, dass Dragana und Mohammed jene tolle Karriere machen, die Frau Hamann ihnen gönnt. Dass so etwas möglich ist, haben die beiden Mädchen gezeigt, die ich 1992 aus Sarajevo herausgeholt und in meiner Familie aufgenommen habe: Die eine ist heute promovierte Germanistin, die andere wird demnächst in Physik promoviert. Ich halte es aber für infam, wenn Frau Hamann das Scheitern von Ausländerkindern in einer „bösen Vermutung“ einem anonymen „man“ auflädt und damit unausgesprochen die österreichische Gesellschaft denunziert. Vielleicht ist es genau anders, vielleicht ist das törichte inländerfeindliche Geschwätz der Ideologen nicht ganz schuldlos an der Tatsache, dass sich Ausländer nur schwer integrieren. Die Rechtsanwältin Seyran Ates (Deutsche türkischer Abstammung) hat dies in ihrem Buch „Der Multikulti-Irrtum“ trefflich analysiert: „Die falsche Toleranz gegenüber sogenannten kulturellen Eigenheiten hat zur Duldung elementarer Menschenrechtsverletzungen geführt. Deshalb werfe ich den Multikulti-Fanatikern auch vor, Mitverantwortung für die Missstände in Deutschland zu tragen (ebenso wie in Österreich, Anm. d. Verfassers). Gerade die linke Szene hat von uns türkischen und kurdischen Frauen, auch von den dunkelsten Flecken der Migranten-Community erfahren. Viele Linke wollen aber nicht an ihrem Weltbild von den guten Ausländern und den bösen Deutschen rütteln lassen.“


Kuschelpädagogik als Zeitbombe

Man wird um die Frage der Perspektivlosigkeit vieler Ausländerkinder künftig nicht mehr herumkommen. In der Tat ist es höchste Zeit, dieses Problem aufzugreifen, den hier lebenden Ausländern klar und deutlich zu sagen: Eure Kinder haben nur dann eine Chance für ein geregeltes Leben in dieser Gesellschaft, wenn ihr euren Pflichten als Erzieher nachkommt – und das heißt, die Kinder müssen zunächst die Sprache lernen. Die bisher betriebene Kuschelpädagogik mit der absurden Konsequenz, Dragana und Mohammed werden ihre Karriere so oder so schaffen, hat sich als Sackgasse erwiesen – oder, besser gesagt, als Zeitbombe.

Prof. Detlef Kleinert begann seine berufliche Laufbahn beim Bayerischen Fernsehen. Er war unter anderem Südosteuropa-Korrespondent der ARD in Wien.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2008)

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