Länger arbeiten und mehr Kinder = weniger Schulden

Gastkommentar. Der größte Kostentreiber der Staatsverschuldung sind die Pensionen.

Es sollte der Tag der unbequemen Wahrheiten werden, als Finanzminister Michael Spindelegger seine Budgetrede im Nationalrat hielt: „Wir haben zu lange auf Kosten unserer Kinder gelebt“, lautete eine Kernbotschaft. Die eigentliche „unbequeme Wahrheit“ allerdings hat der Vizekanzler zwar angedeutet, aber nicht ausgesprochen: Mehr Wachstum und weniger Schulden wird es nur geben, wenn die Österreicherinnen und Österreicher länger arbeiten, mehr privat vorsorgen und mehr Kinder bekommen.

Der eigentliche Kostentreiber der Staatsverschuldung sind die Pensionen. Österreich leistet sich eines der teuersten Pensionssysteme in Europa und wird laut OECD schon bald zum Spitzenreiter. Das faktische Pensionsantrittsalter liegt seit zehn Jahren beinahe unverändert bei durchschnittlich 58 Jahren, obwohl die Lebenserwartung seither um mehr als ein Jahr gestiegen ist. Österreicherinnen und Österreicher treten drei Jahre früher aus dem Arbeitsmarkt aus als der OECD-Schnitt.

Bleibt das Verhältnis von Lebenserwartung und Pensionsalter weiterhin gleich, wird der Durchschnittsösterreicher bald 30 Jahre lang Pension beziehen. Der Altenquotient, das Verhältnis der über 65-Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen, wird sich bis 2050 verdoppeln. Daraus folgt dreierlei:

 

Zu junge Pensionisten

Erstens: Österreichs Pensionisten sind zu jung. Österreich liegt bei der Erwerbsquote der über 60-Jährigen an viertletzter Stelle in Westeuropa. Ähnlich wie andere OECD-Staaten muss auch Österreich das Pensionsalter der steigenden Lebenserwartung nach erhöhen.

Maßstab müsste dabei die sogenannte „Müntefering-Formel“ sein, die vom früheren deutschen sozialdemokratischen Arbeitsminister stammt: „Lebenserwartung minus 15 Jahre“. Die Österreicherinnen und Österreicher müssten somit bei einer Lebenserwartung von heute 81 Jahren mit 66 Jahren in Pension gehen. Im Jahr 2030 dann mit 70 Jahren.

 

Abhängig vom Staat

Zweitens: Weniger Staat! Österreichische Pensionisten erhalten über das staatliche Umlageverfahren mit 91 Prozent des durchschnittlichen Verdienstes mehr als ihre Altersgenossen in Europa. Das heißt aber auch: Pensionisten sind hierzulande überwiegend vom Staat abhängig. Nur fünf Prozent der Einkommen machen betriebliche oder private Pensionsvorsorge aus.

In anderen Ländern leisten betriebliche Pensionskassen und die private Altersvorsorge einen weitaus größeren Beitrag. Das gesetzlich garantierte Sicherungsniveau wird etwa in Deutschland von heute 49 auf 42 Prozent im Jahr 2050 sinken. Ausgleichen müssen die Deutschen die Differenz über mehr private Altersvorsorge. Vor mehr als zehn Jahren hat die deutsche Politik einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Eigenverantwortung und privater Altersvorsorge eingeleitet, um Folgen und Kosten der Alterung in den Griff zu bekommen.
Drittens: Mehr Kinder! Alterung kostet langfristig Wachstum. Neben einer höheren Erwerbsbeteiligung der Älteren ist eine Erhöhung der Geburtenrate entscheidend. Der Kinderwunsch der Österreicherinnen liegt deutlich über der tatsächlichen Kinderzahl.

Eine höhere Geburtenrate weisen Länder wie Dänemark und Schweden auf, in denen es selbstverständlich ist, dass Mütter arbeiten und auch Väter sich um die Kinder kümmern. Kinder- und Familienfreundlichkeit und Gleichberechtigung von Mann und Frau gehen dort Hand in Hand.

Länger arbeiten, mehr Eigenverantwortung und verbesserte Familienfreundlichkeit – das wäre der richtige Dreiklang für mehr Wohlstand, höhere Lebensqualität und weniger Schulden.

Dr. Daniel Dettling ist Autor und Gründer und Leiter des Instituts für Zukunftspolitik.

 


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2014)

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