Das Schüren des Judenhasses in der muslimischen Welt

Gute Beziehungen zwischen Juden und Moslems gab es nur zur Zeit des Mittelalters.

Die Viktimologie des Autors Tarafa Baghajati in seinem Kommentar in der „Presse“ vom 29. 11. übersieht historische und aktuelle Fakten. Der Antisemitismus der extremen Rechten und Linken besteht unvermindert und ungebrochen weiter. Er wird nur schlicht durch den Antisemitismus des politischen Islam ergänzt, der seit einigen Jahren in Europa grassiert.

Das Ergebnis der diversen Anstrengungen dieses politischen Islam ist erschreckend deutlich. In einer Umfrage bekannten sich mehr als 40 Prozent der befragten türkischen und arabischen Schüler in österreichischen Schulen offen zum Judenhass.

Verfolgt man die Medien, sieht man bei Fußballspielen und Demonstrationen, wie quasi ihre älteren Geschwister, also türkische und arabische Jugendliche, lauthals „Tod den Juden“ und „Vernichtet Israel“ skandieren.

In den arabischen Ländern bestand und besteht gerade in Bezug auf Judenhass eine ungebrochene Affinität zum Nationalsozialismus; die Person Adolf Hitlers hat dort seit Jahrzehnten ein enorm hohes Prestige. Touristen in diversen arabischen Staaten werden, sobald sie als Deutsche identifiziert sind, begeistert mit „Heil Hitler“ begrüßt.

Genauso kursieren dort die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ in Massenauflagen und werden von muslimischen Führern und Imamen zitiert und weiterempfohlen. Im staatlichen ägyptischen Fernsehen wurde eine Serie über angebliche Ritualmorde durch Juden ausgestrahlt und von der Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen.

 

Der Hass reicht weit zurück

Dieser Hass reicht außerdem weit zurück. Im Jahr 1939 hatte der arabische Nationalismus und der ihm innewohnende Judenhass einen solchen Druck aufgebaut, dass sich die Briten als Mandatsmacht in Palästina gezwungen sahen, einen Erlass herauszugeben, der die Flucht der durch die Nationalsozialisten verfolgten Juden nach Palästina faktisch verhinderte, indem die Immigration der Juden nur mit arabischer Zustimmung erfolgen durfte.

Ohne diesen Erlass hätten folglich Hunderttausende vor den Gaskammern gerettet werden können. Winston Churchill hat dazu später eingestanden, dass das Erdöl zu der Zeit wichtiger war als das Schicksal der Verfolgten.

 

Unterschlupf für NS-Verbrecher

Außerdem fanden Personen aus nationalsozialistischen Führungskreisen nach dem Krieg zahlreich Unterschlupf in der arabischen Welt. So wurde etwa Alois Brunner in Syrien als willkommener Freund empfangen, der während des Krieges als enger Mitarbeiter Eichmanns mitverantwortlich u. a. für die Ermordung der österreichischen Juden war.

Ohne den Islam als Weltreligion diskreditieren zu wollen oder Muslime unter Generalverdacht einer Kooperation mit dem Islamischen Staat (IS) stellen zu wollen, ist es vor diesem Hintergrund, ebenso wie aufgrund der islamistischen Terroranschläge verständlich, dass die Menschen Angst vor weiteren Bluttaten haben, und eine Islamisierung der europäischen Gesellschaft befürchten.

Die von Baghajati beschriebenen guten Beziehungen zwischen Juden und Muslimen haben cum grano salis nur zur Zeit des Mittelalters bestanden. Heute hingegen sind die Beziehungen zwischen Juden und Muslimen bestimmt von Feindseligkeit und Vorurteilen gegenüber Israel.

Lessings Ringparabel („Nathan der Weise“) vom friedlichen Nebeneinander der Religionen ist de facto eine Utopie. Ein überaus erstrebenswertes Ziel wäre deren tatsächliche Verwirklichung.

Dr. med. Fritz Rubin-Bittmann, geboren
1944 in einem Keller in Wien-Leopoldstadt. Überlebte mit seinen Eltern, Josef und Sidonie, als „U-Boot“. Schule und Studium in Wien, Arzt für Allgemeinmedizin.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2016)

Kommentar zu Artikel:

Das Schüren des Judenhasses in der muslimischen Welt

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen