Mit Klischees lassen sich Probleme der Unis nicht lösen

Polemische Kommentare helfen bei vielschichtigen Herausforderungen nicht weiter.

Mit scheinbar ehrlicher Entrüstung versucht Gudula Walterskirchen in ihrem „Quergeschrieben“ vor einer Woche (13.3.) das Problem der „sozialen Durchmischung“ von Studierenden an Universitäten als Randthema abzuqualifizieren und bedient sich dabei eines „Rundumschlags“ gegen österreichische, vor allem öffentliche Universitäten. Es gäbe zu jeder ihrer Aussagen viel zu sagen, an dieser Stelle sollen zumindest ausgewählten Behauptungen ein paar Tatsachen gegenübergestellt werden.

„Stipendien allein werden sicher nicht dafür sorgen, dass nur die Besten und Qualifiziertesten an den Universitäten studieren“ – da hat die Autorin völlig Recht. Aber sie sind ein wichtiger Bestandteil eines Bildungssystems, in dem die soziale Herkunft junger Menschen nicht für die Teilhabechancen bestimmend sein soll.

Das von Frau Walterskirchen erkannte Problem ist also, dass ein „Gratisstudium“ nicht ausreicht, Chancengerechtigkeit – und um diese geht es – herzustellen. Es braucht auch kulturelles Kapital, also das Wissen, wie Universitäten funktionieren, was dort erwartet wird, und oft einfach nur Ermutigung, um ein universitäres Studium in Betracht zu ziehen. Derartige Unterstützungen erhalten junge Menschen vor allem über ihr Elternhaus. Es macht daher einen Unterschied, ob solches Wissen in den Familien vorhanden ist.

 

Falsche Schlussfolgerungen

Natürlich können Universitäten, die sich um bessere soziale Durchmischungen bemühen, bestimmte Asymmetrien nicht aufholen. Diese Maßnahmen aber als unnötig abzuqualifizieren, grenzt an Zynismus. Denn schließlich haben Universitäten – gerade weil ihnen Qualität so wichtig ist – ein Interesse an den begabtesten und leistungswilligsten Studierenden. Diese aber befinden sich in allen gesellschaftlichen Schichten und gehören aufgespürt. Dazu braucht es umfassende Programme, die auch Schulen einbeziehen.

Die Schlussfolgerung der Autorin, dass den Verantwortlichen die Qualität der Universitäten weniger Sorgen bereite, ist schlicht falsch, auch wenn die bestehenden Probleme aus der Unterfinanzierung der Universitäten nicht schöngeredet werden dürfen.

 

Qualität der Lehre anheben

Das aktuelle Projekt der Universitätsfinanzierung, das zwischen Wissenschaftsressort und Universitätenkonferenz erarbeitet wird, zielt genau darauf ab: Die Qualität der Lehre soll durch bessere Betreuungsverhältnisse gehoben, die Rahmenbedingungen sollen verbessert werden. Dies ist daher ein wichtiger Schritt in Richtung Qualitätsverbesserung.

Auch andere Klischees in dem Beitrag wie „keine Vermittlung des kritischen Denkens“ und „gescheitertes Bologna-System“ inklusive des von der Wirtschaft angeblich „nicht anerkannten Bachelor“-Abschlusses lassen sich, speziell aus Sicht der WU, leicht entkräften.

Eine aktuelle Umfrage unter Bachelorabsolventen und -absolventinnen ergab: Neben dem Erwerb von Fachwissen wird als eine der wichtigsten erlernten Kompetenzen an der WU die „Fähigkeit zum selbstständigen und eigenverantwortlichen Arbeiten“ angegeben. Zudem hat sich bei den Befragungen gezeigt, dass ein WU-Abschluss auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt ist.

Natürlich stehen die österreichischen Universitäten gerade mit Blick auf die internationale Konkurrenz vor großen Herausforderungen. Gelingen kann das aber nur, wenn wir erstens die Themen eben auch in ihrer Vielschichtigkeit angehen und zweitens endlich Abstand von polemischen Kommentaren nehmen.

Univ.-Prof. DI Dr. Edeltraud Hanappi-Egger (*1964 in Eisenstadt) ist Rektorin der Wirtschaftsuniversität, Vizepräsidentin der Universitätenkonferenz.

E-Mails an:debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2017)

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