Inklusiver Arbeitsmarkt: Let's work on it

Arbeitslosigkeit zu verwalten ist immer teurer, als in Arbeitsmarktpolitik zu investieren.

Während die Zahl der erwerbslosen Menschen endlich sinkt, sucht nach wie vor jede dritte arbeitslose Person über ein Jahr einen Job. Aus 30-jähriger Erfahrung Sozialer Unternehmen wissen wir: Die Menschen wollen arbeiten, aber nicht alle schaffen es zu den geforderten Bedingungen. Es liegt an der neuen Regierung, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass sich alle Menschen in Österreich ihren Talenten und Fähigkeiten entsprechend beruflich entwickeln können. Was aber tun, wo ansetzen?

 

Keine Ein-Euro-Jobs

Menschen sind am meisten motiviert, wenn sie sich gebraucht fühlen, ihre Arbeit sinnvoll ist und ihre Existenz sichert. Das deutsche Hartz IV-Modell zeigt vor, wo im Unterschied dazu Ein-Euro-Jobs hinführen: zu einem Endlos-Hamsterrad ohne Perspektiven. Hartz IV hat aus erwerbslosen Armen arme Erwerbstätige gemacht. Österreich setzt hingegen auf temporär geförderte Beschäftigung mit kollektivvertraglicher Entlohnung. Daran sollten wir festhalten.

Was derzeit weitgehend fehlt, sind Arbeitsplätze, die benachteiligten Menschen eine längerfristige Perspektive geben. Die (befristete) Aktion 20.000 ist hier ein erster, sehr wirkungsvoller Schritt zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit von Älteren. Neben einer Fortführung und Verlängerung der Aktion braucht es weitere Modelle längerfristiger geförderter Beschäftigung für alle Gruppen, die am Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Diese Modelle müssen durchlässig zum regulären Arbeitsmarkt bleiben.

In Österreich bewähren sich Modelle stufenweiser Integration – von stundenweiser Beschäftigung bis zum Vollzeitarbeitsplatz. Pilotversuche in NÖ und der Steiermark haben beeindruckende Erfolge gebracht und selbst Menschen, die schon lange aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen waren, den schrittweisen Wiedereinstieg ermöglicht. Eine österreichweite Umsetzung solcher Modelle wäre deshalb ein wichtiger Schritt vorwärts.

Langfristig wird es ohne eine gerechtere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen nicht gehen: Die Einführung einer 35-Stundenwoche (bei vollem Lohnausgleich für untere und mittlere Einkommen) kann in Österreich Zehntausende Arbeitsplätze schaffen und Spielräume für eine gerechtere Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit eröffnen. Als Good-Practice-Beispiel kann hier das Schichtarbeitszeitmodell dienen, das die voestalpine 2010 eingeführt hat.

Last, but not least, braucht es ein klares Bekenntnis der neuen Regierung zur vielfältigen Rolle der Sozialen Unternehmen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Die Verbindung von Arbeiten und Lernen entlang der Lebensarbeitszeit ist eine der Kernaufgaben dieser Unternehmen. Sie sollten künftig verstärkt genutzt werden, um benachteiligten Menschen das Nachholen von (Aus-)Bildungsabschlüssen zu ermöglichen. Mehr unternehmerische Freiheiten für Soziale Unternehmen könnten zudem die Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft ausbauen helfen und Erfolgsbeispiele wie die in Kooperation mit der Caritas geführten SPAR-Märkte vermehren.

 

Investition in die Zukunft

Diese Maßnahmen schaffen konkrete Teilhabe und machen Sinn: für die Menschen selbst, für eine inklusive Gesellschaft und für die Budgets, die entlastet werden. Studien, wie jüngst von Synthesis, zeigen: Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik rechnen sich und sind eine Investition in die Zukunft. Let us work on this together – die Sozialen Unternehmen stehen bereit.

Judith Pühringer ist Betriebswirtin und Expertin in den Bereichen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Seit 2004 ist sie Geschäftsführerin von arbeit plus, dem österreichweiten Netzwerk von 200 gemeinnützigen Sozialen Unternehmen im arbeitsmarktpolitischen Bereich.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2017)

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