Gastkommentar

Ein Mann wie ein eingefrorener Posthornton

Peter Schröcksnadel will mit untauglichen Mitteln das Image des ÖSV retten.

Immer, wenn Peter Schröcksnadel oder sein geliebter Skiverband wieder einmal einen Skandal produziert haben und dafür kritisiert werden, zeigt er das aggressive, stereotypische Verhalten: leugnen, an die Kumpanei befreundeter Medien appellieren, drohen, Bestemm, das Problem selber zu untersuchen.

Schröcksnadel vertritt die Missetäter, spielt Staatsanwalt, Richter und Pressestelle. Seit 1990 amtiert er als ÖSV-Präsident und verteidigt das durch Klimawandel und andere Feinde gefährdete Kulturgut Skisport. Und die Sykophanten, zu denen auch die vergangenen drei Sportminister, Norbert Darabos, Gerald Klug und Hans Peter Doskozil, gehörten, nicken dazu.

Nicola Werdeniggs Geschichte ihres Missbrauchtwerdens in den 1970er-Jahren und Schröcksnadels Ultimatum, bis zum 30. November Namen zu nennen, widrigenfalls ihr ein Anwaltsbrief ins Haus stehe, sind aktuelles Anschauungsmaterial, wie weit weg Schröcksnadel vom Respekt für anderer Nöte ist. Kein Verständnis, keine Einsicht, keine professionelle Hilfe für die Betroffenen, keine Einladung an etwaige weitere Missbrauchsopfer, mit dem ÖSV vertraulich zu reden. Drohung? Aber nein, sagte Schröcksnadel zwei Tage später.

Natürlich nicht, das ist Theaterdonner aus dem Schnürboden der Bauernbühne, deren Impresario er ist. In der „ZiB 2“ drehte er die Argumentation dann in bizarrer Weise um: Eine Entschuldigung von Frau Werdenigg würde ihm reichen. Schröcksnadel, das öffentlich misshandelte Opfer.

 

Skandale-Lieferant ÖSV

Der ÖSV ist ein Skandale-Lieferant. Doping 2002, 2006, 2015, 2016, Unterwerfung einer selbstbewussten Skifahrerin, geschwärzte Verträge bei der WM 2013 in Schladming – und das bei rund 250 Millionen Euro Subvention. Dem Rechnungshof drohte er nach dessen vernichtender Kritik am ÖSV-Management der WM 2013 mit Klage. Wieder: Der ÖSV inszeniert sich als Opfer.„Einzelfall“, behauptet Schröcksnadel, wenn ein ÖSV-Sportler unangenehm auffällt. Österreichs Regierung, die ihn mit Förderungen überhäuft, hat ihn nie zur Verantwortung gezogen.

 

Probleme mit Frauen

In Italien waren er und neun ÖSV-Angehörige nach dem Dopingskandal 2006 in Turin angeklagt. Er und der vom IOC gesperrte ÖSV-Trainer Walter Mayer wurden freigesprochen. Das Image des ÖSV war hinüber. Mayer war nach der „Blutbeutelaffäre“ in Salt Lake City 2002 für zehn Jahre gesperrt worden, doch 2006 wohnte er im ÖSV-Olympiaquartier.

Schröcksnadel nimmt Frauen offenbar nicht für voll. Dieser Eindruck besteht nicht erst seit der Reaktion auf Werdeniggs Geschichte. Olympiasiegerin Anna Fenninger musste sich von ihrem Manager trennen, die geschlossenen Marketingverträge auflösen und sich Schröcksnadel unterwerfen. Anschließend erhielt sie von ihm einen persönlichen Sponsor, einen Trainer mehr und ein Auto.

Schröcksnadel/ÖSV kontrolliert die Vermarktung aller Weltcup-Events – ausgenommen Kitzbühel. Er macht alle Sponsorverträge für Verband und Sportler, er hat mit seinem Unternehmen Sitour praktisch ein Monopol auf Werbeflächen in Skiorten, entscheidet allein, welcher Ort ein Weltcuprennen erhält, unter anderem ein ihm gehörender Berg.

Er hat einen Vertrag mit der meistverbreiteten Zeitung des Landes, der größte TV-Sender, ORF, ist exklusiver Rechteinhaber für ÖSV-Rennen in Österreich und bezahlt Schröcksnadels Unternehmen Feratel für das Betreiben der Panoramakameras, die er ihm vor Jahren abkaufte. Ein Wunder, dass er überhaupt noch mit anderen redet.

Mag. Johann Skocek (geboren 1953) ist Journalist und Buchautor. Er hat sich auf die Hintergrundberichterstattung im Dreieck Sport, Wirtschaft und Politik spezialisiert.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2017)

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