Replik

WKÖ muss keinen Vergleich scheuen

Ja, die Beiträge an die Wirtschaftskammer sind höher als in Deutschland. Dafür bietet sie den Mitgliedern aber auch mehr.

Alfred Heinzel unterstreicht in seinem Gastkommentar in der „Presse“ (1. März) zwar die Notwendigkeit starker Kammern in Österreich, er kritisiert aber gleichzeitig die in Relation zum Deutschen Industrie- und Handelskammertag höheren Mitgliedsbeiträge.

Tatsächlich sind die Beiträge an die Wirtschaftskammern höher als in Deutschland. Demgegenüber steht aber auch ein deutlich größeres und breiteres Leistungsspektrum, das österreichische Unternehmen im Gegenzug erhalten: Services, die nur dank der solidarischen Finanzierung von Unternehmen aller Größen und Branchen in dieser Form angeboten werden können.

Von einem Gründerservice, das jedes Jahr 30.000 angehende Unternehmerinnen und Unternehmen auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet, können potenzielle Selbstständige in Deutschland nur träumen! Um die AußenwirtschaftsorganisationAußenwirtschaft Austria werden wir weltweit beneidet, dafür wurden wir auch schon von WTO und UNO ausgezeichnet.

Für unsere Mitglieder sind diese Dienstleistungen Teil des WKÖ-All-inclusive-Pakets. Deutsche Unternehmen, die im Ausland Geschäfte machen und Unterstützung brauchen, müssen hingegen zusätzlich bei der jeweiligen Außenhandelskammer Mitglied werden und dann eben extra bezahlen.

 

Umfassendes Angebot

Auch die Fülle an maßgeschneiderten Weiterbildungsmöglichkeiten, die wir Österreichs Betrieben kostengünstig anbieten, gibt es anderswo in dieser Form nicht. Und dass wir die wenigsten Streiks in Europa – 30 Sekunden pro Arbeitnehmer – haben, ist ebenfalls kein Zufall.

Die Wirtschaftskammern als Kollektivvertragsverhandler und paktfähiger Sozialpartner sind zentraler Bestandteil dieses Erfolgsgeheimnisses, das heimischen Betrieben einen klaren Standortvorteil auch und gerade im Vergleich zu deutschen Mitbewerbern beschert. Mit diesem umfassenden Leistungsangebot, das allen Mitgliedern unabhängig von Größe oder Branchenzugehörigkeit offensteht, brauchen wir keinen internationalen Vergleich zu scheuen.

 

Jedes Mitglied profitiert

Das alles hat einen Preis. Und ja, die Kammern dürfen sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen, sondern müssen sich auf der Höhe der Zeit weiterentwickeln. Das tun wir auch! Seit 2000 wurden mehrere große Reformschritte gesetzt – u. a. mit einer Beitragssenkung um 30Prozent und einer Gesamtersparnis um 150 Millionen Euro bei gleichzeitigem Ausbau der Services. Durch diese Leistungssteigerung wurden viele neue Erfolgsgeschichten möglich. Dank kompetenter Beratung und Begleitung stieg etwa die Zahl der Exporteure von 19.000 (2003) auf rund 58.000 (2017).

Im April 2017 hat das Wirtschaftsparlament der WKÖ eine weitere Reform auf den Weg gebracht. Ab 2019 kommt eine weitere Beitragssenkung um 100 Millionen Euro. Jedes einzelne Mitgliedsunternehmen – ob Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und Kleinbetrieb, solider Mittelständler oder Global Player – profitiert davon. Schon jetzt gibt es zusätzliche Serviceleistungen für die Mitglieder im Wert von 34 Millionen Euro – allen voran in den Zukunftsfeldern Innovation und Digitalisierung.

Die von Heinzel eingeforderte Transparenz leben wir schon längst. Unser Budget fußt auf einem Beschluss des Wirtschaftsparlaments. Eine Kurzfassung des jährlichen Rechnungsabschlusses kann jedermann im Internet abrufen. Zudem haben alle Wirtschaftskammer-Mitglieder auch die Möglichkeit, den gesamten Rechnungsabschluss einzusehen.

Dr. Herwig Höllinger (*1965 in Wien) ist seit 2008 stellvertretender Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2018)

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