Gastkommentar

Das Erfolgsrezept gemeinnütziger Unternehmungen

Mit den Mitteln der sozialen Marktwirtschaft – zum Wohl der Gesellschaft.

Ostern als höchstes Fest der Christenheit war wieder ein guter Anlass, ein wenig in uns zu gehen und nachzudenken. Nachzudenken auch darüber, wie unsere Gesellschaft menschliches Wohlergehen möglich macht; darüber, welche Rolle die Wirtschaft, die Unternehmen und die öffentliche Hand dabei spielen; und darüber, wer in unserer Gesellschaft welche Verantwortung übernehmen soll und kann.

Die Diskussion schwankt dabei meistens ausschließlich zwischen den Polen Markt und Staat. Ist der Staat der beste Garant für persönliches Wohlergehen – oder liefert doch der Markt die besseren Resultate? Brauchen wir mehr staatlichen Schutz – oder mehr wirtschaftliche Freiheit? Vertrauen wir der Bürokratie – oder lieber dem Wettbewerb?

Was in den traditionellen „Staat oder privat“-Debatten oft untergeht, ist, dass es noch einen anderen, einen dritten Weg gibt, um das menschliche Wohl zu fördern: die Gemeinnützigkeit. Ihre Bedeutung für Organisation und Gewährleistung individueller und gesellschaftlicher Anliegen wird jedoch noch immer massiv unterschätzt.

Gemeinnütziges Wirtschaften schafft heute in Österreich schon vielfach Wohl und Mehrwert für die ganze Gesellschaft – egal, ob im Sozial-, Gesundheits- oder Wohnbaubereich. In Österreich steht der gemeinnützige Sektor für einen Umsatz von jährlich zehn Milliarden Euro und 70.000 Arbeitsplätze. Welche Wertschöpfung der gemeinnützige Sektor für Österreich erbringt, lässt sich nicht quantifizieren – dies wird leider in der BIP-Berechnung nicht berücksichtigt.

Erfolgsbeispiel Krankenhäuser

Ein Bereich, in dem sich die Gemeinnützigkeit in Österreich überaus positiv entwickelt hat, ist der Krankenhausbereich. Österreichs private gemeinnützige Krankenhäuser erbringen direkt eine Wertschöpfung von mehr als 1,1 Milliarden Euro, mit Folgeeffekten sogar knapp 2,4 Mrd. Euro. Sie schaffen direkt knapp 31.000 Arbeitsplätze, mit Folgeeffekten sogar gut 45.000 Jobs; ihr Anteil an den Krankenhausträgern liegt bei 18 Prozent.

Der Blick nach außen

In anderen Ländern ist dieser Anteil noch deutlich höher. Zum Vergleich: In Belgien sind 72 Prozent der Krankenhausträger private gemeinnützige Anbieter, in den Niederlanden sogar 100 Prozent. Deutschland verfügt immerhin über einen Anteil von 30 Prozent privater gemeinnütziger Träger.

Private gemeinnützige Spitäler liegen nicht nur im internationalen Trend, sie fördern die wichtige Trägervielfalt. Sie sorgen für eine vitale Mischung aus öffentlich-rechtlichen, privat-gemeinnützigen und gewinnorientierten Krankenhäusern – und sie fördern die Innovationskraft und Patientennähe im Gesundheitswesen. In der Mehrzahl der europäischen Länder wird die Übernahme von Spitalsleistungen durch private gemeinnützige Spitäler forciert.

Diese internationalen Vorbilder sollten uns in Österreich anspornen, den gemeinnützigen Sektor aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken und von seinen Qualitäten zu profitieren. Denn gemeinnütziges Wirtschaften ist nie Selbstzweck, sondern immer Mittel zu einem Zweck. Es sorgt für Leistungen, Arbeitsplätze und Erlöse, die wieder investiert werden.

Das Erwerbsinteresse des Eigentümers verwandelt sich bei gemeinnützigen Unternehmen in ein gesellschaftliches Interesse. Damit lässt sich mehr bewegen. Mit den Mitteln der sozialen Marktwirtschaft, zum Wohl der Gesellschaft: Das ist die Erfolgsstrategie gemeinnütziger Organisationen, die wir in Österreich künftig viel stärker nützen sollten.

Dr. Michael Heinisch ist Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Vinzenz Gruppe.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

 


[OBO5S]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2018)

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