Die Zukunft der Arbeit ist da – die passenden Gesetze nicht!

Home-Office, Digitalnomaden, Sabbaticals - es wird Zeit, dass die rechtlichen und steuerlichen Bedingungen für diese modernen Arbeitsformen angepasst werden.

Die vor Kurzem veröffentlichte LinkedIn-Studie “Global Talent Trends 2019” zeigt: die Arbeitswelt ändert sich und sowohl Arbeitgeber und Arbeitnehmer erwarten sich eine Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Home-Office, Digitalnomaden, Sabbaticals, Remote Work, Gleitzeit: Diese Begriffe sind Sinnbilder für die neue Arbeitswelt. Digitalisierung, Globalisierung und sozialer Wandel haben die Einstellungen und Rollenbilder von vielen Menschen zu Arbeit verändert und die Grundlage für die neue Welt der Arbeit geschaffen.

Durch den technologischen Wandel haben sich für die Menschen unzählige neue Möglichkeiten eröffnet. Das führt vor allem zu einem Phänomen: Menschen suchen und erwarten sich eine sinnvolle, nutzenstiftende Tätigkeiten. Diesen Weg gehen auch die rund 55.000 EPUs und Kleinstunternehmerinnen in Österreich. Als die Innovatoren unserer Gesellschaft sind sie es, die die Veränderung der Arbeitsbedingungen vorantreiben und einen Rahmen für die neue Welt der Arbeit schaffen.

Gerade in der unternehmerischen Anfangsphase oder als EPU, nutzen Unternehmer die Möglichkeit des mobilen Office und die Vorteile des digitalen Fortschritts in der Arbeitswelt. Selbstständige organisieren häufig alles von zu Hause und starten ihre Geschäftsidee, ähnlich wie Steve Jobs, in den eigenen vier Wänden.

Die Zukunft hat die Realität längst eingeholt: 60 Prozent der Gründer aus dem Jahr 2018 arbeiten von zu Hause und in einem Raum, der auch als Wohnraum verwendet wird. 30 Prozent derJungunternehmer bieten Home-Office für ihre Mitarbeiter an. Die Zukunft der österreichischen Wirtschaft verkörpert also schon heute die „Neue Welt der Arbeit“.

Es ist notwendig, dass jene Umstände, die inzwischen Normalität sind, auch in den gesetzlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Es muss selbstverständlich sein, dass Jungunternehmerinnen vor allem in der Gründungsphase flexibel von überall arbeiten können.

Es braucht konkrete Maßnahmen zur Unterstützung. Neben der dafür notwendigen technologischen Infrastruktur – Stichwort 5G – und Anpassungen im Arbeitsrecht im Bereich Home-Office, braucht es auch steuerliche Modernisierung. Damit meinen wir beispielsweise nicht nur die Anpassung der Grenze für sofort abschreibbare Wirtschaftsgüter, welche erstaunlicherweise seit 1983 nicht erhöht bzw. angepasst wurde. Es geht dabei um viel mehr! Nämlich darum, die Lebensrealitäten von Unternehmern anzuerkennen und darauf zu reagieren.

Steuerliche Absetzbarkeit des Büros

Anhand eines ganz konkreten Beispiels kann man die sehr dringende Notwendigkeit von gesetzlichen Anpassungen an die Realitäten ganz gut darstellen: Wer derzeit den Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung steuerlich absetzen will, muss einen separaten Raum als Büro zur Verfügung haben. Eine Regelung, die nicht den heutigen technologischen Möglichkeiten und der finanziellen Realität des durchschnittlichen jungen Selbstständigen entspricht. Eine pauschale steuerliche Absetzfähigkeit für ein Arbeitszimmer im Wohnungsverband – egal ob räumlich trennbar oder nicht – muss heutzutage möglich sein.

Wir als Junge Wirtschaft haben uns diesem Thema angenommen und eine Onlinekampagne gestartet, um die Dringlichkeit dieser Forderung hervorzuheben und ihr in Richtung Politik Nachdruck zu verleihen. Inzwischen haben sich bereits über 10.000 Unterstützerinnen und Unterstützer der Kampagne angeschlossen. Das zeigt: das Thema brennt den Unternehmern unter den Nägeln – Reformen sind dringend notwendig.

Mag. Christiane Holzinger (36) ist Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft und vertritt in dieser Funktion ehrenamtlich die Interessen der über 120.000 jungen Selbstständigen in Österreich. Die geprüfte Steuerberaterin und Unternehmensberaterin aus Kärnten ist seit 2011 Geschäftsführerin der österreichweit tätigen Steuerberatungskanzlei „360° Business Planner GmbH“ mit Sitz in Klagenfurt, sowie Co-Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung „Start-up Stars GmbH“.

 

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