„Krone“: Ohne Dichand wird's nicht gehen

Gastkommentar Die „Krone“ hat bisher noch jeden „Krieg“ überstanden – und fast alle hat Hans Mahr miterlebt. Er glaubt, dass auch im aktuellen Konflikt mit der Funke-Gruppe und René Benko nur eine Lösung mit Christoph Dichand sinnvoll ist.

(c) Peter Kufner

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Ach ja, Zeitungskriege in Wien haben Tradition. Besonders Zeitungskriege um die „Krone“. Es begann schon bei der Gründung. Die Gewerkschaft hatte zwar für einen Kredit gebürgt, aber dann wollte sie gleich die ganze Zeitung dafür haben. Später kam der Spielkartenhersteller Piatnik auf die Idee, dass eigentlich ihm die Rechte an der „Kronen Zeitung“ zustünden. Auch das Verhältnis der beiden Gründungseigentümer, Hans Dichand und Kurt Falk, endete im Krieg und schließlich mit dem Ausscheiden von Falk und dem Einstieg der deutschen WAZ-Gruppe.

Und jetzt führen die Deutschen, nunmehr als Funke-Gruppe firmierend, den „Krone“-Krieg weiter, während der neue Miteigentümer, Immobilien-Tycoon René Benko, eine Warteschleife dreht. Heiß umfehdet, wild umstritten, könnte man mit einem Zitat aus der Bundeshymne die „Krone“-Geschichte zusammenfassen. Mit Ausnahme des Gewerkschaftsscharmützels habe ich in fast 50 Jahren alle diese Kriege hautnah miterlebt. Als blutjunger Reporter, als Kolumnist, als Berater Dichands, als Geschäftsführer der „Krone“ und – seit ich in Deutschland lebe – als wohlwollender Beobachter.

 

Kampfblatt der kleinen Leute

Dass die „Kronen Zeitung“ diese permanenten Gefechte nicht nur ganz gut überstanden hat, sondern – gemessen an der Einwohnerzahl – zu einer der größten Zeitungen Europas (wahrscheinlich sogar weltweit) aufgestiegen ist, liegt vor allem an einem Mann, dem Gründervater Hans Dichand. Er hat seine „Krone“ immer als Kampfblatt für die Interessen der kleinen Leute verstanden – gegen die Mächtigen, gegen die, die nicht auf die Menschen hören wollten. Ja, das war Populismus, aber ein – meist – berechtigter.

Als Erfolgsgarantie wirkte immer die – fast könnte man sagen – „gnadenlose“ Unabhängigkeit, von Parteien und Pressure Groups, von Wirtschaftsbossen und Möchtegern-Einflüsterern. Natürlich gab es auch Ausrutscher, natürlich wurde da und dort mal eine Grenze überschritten, die man besser nicht hätte überschreiten sollen. Wenn ich zum Beispiel an den „Staberl“ denke, den beißendsten aller Kolumnisten. Und auch das Verhältnis zur schrecklichen Vergangenheit, in der sich auch Österreich und einige, gar nicht so wenige Österreicher schuldig gemacht haben, war nicht immer so, wie ich mir das persönlich gewünscht hätte. Aber nie hat es einen Zweifel an der Unabhängigkeit der „Krone“ gegeben, an ihrer journalistischen Standfestigkeit und an ihrem ehrlichen Kampf für die Leser dieser „Volkszeitung“, wie sie Hans Dichand gesehen hat.

 

Reaktionäres von Jeannée

Seinen Sohn Christoph hat er schon frühzeitig in die Geschäfte der „Krone“ involviert und ihn auf die Verantwortung, die dieses Erbe mit sich bringt, vorbereitet. Seit 19 Jahren steht er nunmehr an der Spitze des Unternehmens. Erst als Chefredakteur, dann auch als Herausgeber. In dieser Zeit der Umwälzung, der Transformation ins digitale Zeitalter, hat sich die „Krone“ besser gehalten als alle vergleichbaren großauflagigen Printmedien. Weiter unangefochten an der Spitze, nur knapp zehn Prozent weniger verkaufte Exemplare in den vergangenen zehn Jahren, während die „Bild“-Zeitung in Deutschland fast die Hälfte und der „Blick“ in der Schweiz rund ein Drittel Auflage verloren haben.

An dieser Stelle erlaube ich mir eine persönliche Anmerkung: Ich glaube, ich kann sagen, dass ich ihn seit vielen Jahren ganz gut kenne, den Christoph Dichand, dessen ruhige und zurückhaltende Art dazu führt, dass ihn manche unterschätzen. Die „Krone“ seines Vaters weiterzuführen war für ihn aber von allem Anfang an nicht nur ein Business und die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen, sondern sie war auch eine gewaltige Verpflichtung, ihre Unabhängigkeit zu verteidigen, sie als Volkszeitung, wie sie der Vater verstanden hat, zu bewahren.

Ich behaupte sogar, und viele Medienkollegen stimmen mir da zu, dass sie unter ihm liberaler und weltoffener geworden ist. Da kann mein alter Pressehaus-Zimmerkollege Michael Jeannée Reaktionäres zu Papier und in die Zeitung bringen, aber Conny Bischofberger hält mit Interviews und Kommentaren dagegen. Dass Kurt Seinitz die Außenpolitik besser beherrscht als so manche Außenministerin, ist ohnehin klar. Genauso wie Georg Wailand die Wirtschaft und Ombudsfrau Barbara Stöckl die Herzen dirigiert. Und so weiter und so fort.

Die „Krone“ ist eben ein Medium für alle und alles. Das Redaktionsstatut, wonach die Richtung der Zeitung die Summe der Meinungen des Herausgebers und der Redakteure ist (dafür habe ich noch selbst mit Streik gekämpft), wird jeden Tag neu gelebt. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was in der „Krone“ steht, aber alles hat dort seinen Platz. Auch das ist eines der Geheimnisse des „Krone“-Erfolgs. Und auch dafür steht Christoph Dichand in der Tradition des Vaters. Es ist eben nicht egal, ob die „Krone“ von Dichand oder ohne Dichand geführt wird, wie das ein gewisser Georg Eckelsberger in einem Gastkommentar in der „Presse“ (Mittwoch, 10. April) behauptet hat.

Aber glücklicherweise steht dieser „Dossier“-Mann, der in monatelangen investigativen Recherchen herausgefunden hat, dass die Lokalredakteure der „Krone“ gute Drähte zur Polizei und die Sportkollegen ebensolche zu den Sportverbänden haben, allein auf weiter Flur. Selbst der neue – indirekte – Miteigentümer René Benko hat kürzlich im Interview mit der „Presse am Sonntag“ erläutert, dass auch er Christoph Dichand als Herausgeber und Chefredakteur der „Krone“ weiter an der Redaktionsspitze haben will. Ein kluger Schachzug übrigens, denn ohne Dichand wird's wohl sobald keinen Frieden in und um die „Krone“ geben.

Als Begleiter seit fast 50 Jahren kann ich nur hoffen, dass es bald eine im besten Sinne des Wortes österreichische Lösung geben wird. Natürlich mit der Familie Dichand, vielleicht auch mit dem einen oder anderen österreichischen Miteigentümer, der wirklich an der Stärkung und Weiterführung der redaktionellen Unabhängigkeit der „Kronen Zeitung“ interessiert ist. Denn eines ist klar: Mit den diversen Kriegshandlungen wird es nicht gelingen, das Blatt im digitalen Zeitalter so zu transformieren, dass es auch weiterhin so erfolgreich sein kann wie bisher.

Irgendwann muss auch wieder Geld – vor allem in die digitale Weiterentwicklung – investiert werden, was die deutsche Seite seit Jahren blockiert. Vielleicht muss es auch einen neuen Eigentümervertrag geben, damit Blockaden nicht mehr entstehen. Aber dumm handelt, wer durch vorsätzliche Handlungen den Wert des Unternehmens, an dem er selbst beteiligt ist, runterwirtschaftet.

Man kann nur hoffen, dass dies alles möglichst bald vorbeigeht und eine sinnvolle Lösung, eine österreichische Lösung mit Dichand, zum Tragen kommt. Denn ohne ihn wird's, ich sagte es schon, nicht gehen. Und das ist auch gut so.

Zum Autor

Hans Mahr (*17. Mai 1949) war anfangs Reporter und Kolumnist der „Kronen Zeitung“, später deren Geschäftsführer, bevor er als Chefredakteur und Geschäftsführer zu RTL wechselte. Seit 2006 ist er mit seiner Firma, Mahrmedia, selbstständig und als Medienberater und Medienmanager tätig.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2019)

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