Was Minarette von Kirchtürmen unterscheidet

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„Minarette: Wenn Bischöfe zündeln“, Meinung, von Dietmar Neuwirth, 21. März
Sehr geehrter Herr Neuwirth, ich habe mich sehr über Ihren Beitrag bezüglich Minarette gewundert. Kirchtürme mit Minaretten zu vergleichen ist nicht sehr passend. Eine Moschee ist mit der fast ausschließlichen Sakralfunktion einer christlichen Kirche nicht zu vergleichen.
•Eine Moschee ist für politische, rechtliche und lebenspraktische Wertevermittlung im Sinne des Islam.
•Hinter den in Moscheen agierenden islamischen Verbänden stehen große politische und finanzielle Mächte.
•Ziel dieser Organisationen ist die Durchdringung der Gesellschaft mit dem Islam durch die Beeinflussung staatlicher und halbstaatlicher Stellen.
•Eine Moschee kann auch ein Mehrzweckgebäude sein (Hotel, Gerichtsstätte, Waffen- und Warenlager oder Übungsplatz für den Kampf).
•Sie ist sozialer Treffpunkt
•und ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets.

Endziel ist es, den Staat auf Grundlage einer islamischen Ordnung und des islamisches Gesetzes umzuformen. Herr Erdogan sagt dazu: „Die Demokratie ist der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ (Recep Tayyip Erdogan, türkischer Ministerpräsident 1997; Quelle: Die Welt, 22.9.2004)

Klaus F. F. Otzelberger

St. Pölten

Mutige Bischöfe

Die Argumentation ist schon etwas schwer nachvollziehbar. Da soll es „anstößig“ oder gar „abstrus“ sein, wenn zwei mutige Bischöfe fordern, ein Minarettbau in Österreich solle erst dann erlaubt sein, wenn die Türkei bzw. andere moslemische Staaten freie Religionsausübung für Christen gewährleisten. Jemandem „zündeln“ vorzuwerfen, nur weil er sich weigert, sich einem Meinungskonformismus zu unterwerfen, ist zutiefst undemokratisch.

Den Bischöfen vorzuwerfen, dass sie eine Meinung vertreten, die auch von einer politischen Partei (FPÖ) geteilt wird, ist etwa so, als würde man den Bischöfen verwehren, eine moraltheologische Ansicht nur deshalb vertreten zu dürfen, weil z. B. auch die ÖVP dieser Meinung ist. Oftmals wird kirchlichen Würdenträgern medial applaudiert, wenn sie eine vom Papst nicht geschätzte Linie vertreten. Dies soll hier auf einmal unzulässig sein.

„Abstrus“ ist aber wohl die Gleichsetzung, ob sich jemand durch Minarette oder Kirchtürme provoziert fühlen könnte. Minarette sind zwar nicht „artfremd“, aber in einem seit über 1000 Jahren christlich geprägten Land jedenfalls landfremd. Die altösterreichischen islamischen Bürger der k. k. Monarchie in Bosnien, denen die heutigen moslemischen Zuwanderer in Österreich verdanken, dass der Islam eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft ist, haben ihre Minarette jedenfalls nicht in Wien, Niederösterreich oder Vorarlberg errichtet.

Dr. Manfred Walter
1130 Wien

Toleranz keine Einbahnstraße

Der Beitrag findet es anstößig, dass zwei österreichische Bischöfe meinen, Muslime sollten (bei uns) auf Minarette verzichten. Wie würden, fragt er, diese Bischöfe argumentieren, wenn sich jemand durch unsere Kirchtürme provoziert fühlt? Doch letzteres ist in Ländern mit islamischer Mehrheit doch längst der Fall. Nicht nur im Irak brennen immer wieder Kirchen. Obwohl sie bei uns noch eine Minderheit sind, haben bereits einige türkische Eltern die Abschaffung der Kreuze in unseren Schulen verlangt. Dass sie sich, wenn sie erst stärker sind, auch von unseren Kirchtürmen provoziert fühlen würden, ist nicht so weltfremd. Toleranz gegenüber anderen Religionen ist sicher erstrebenswert – doch es ist keine Einbahnstraße.

Dr. Kurt Zambra
6330 Kufstein

Muezzin übertönt Glocken

Dass die beiden Bischöfe Küng und Fischer aus ganz anderen Gründen Minarette ablehnen als Strache & Co., ist vielleicht auch schon Dietmar Neuwirth aufgefallen. Hier versucht wieder einmal ein Zeitungsreporter, ein berechtigtes Anliegen einer Gemeinschaft in den Dunstkreis der Nazi-Ideologie zu rücken, um sich Argumente zu sparen. Den Bischöfen geht es um den Stellenwert der katholischen Kirche in Österreich. Weiß Neuwirth, dass Minarette dazu dienen, die Gläubigen fünfmal täglich über Lautsprecher zum Gebet zu rufen? Haben er oder der ahnungslose Kardinal jemals das vielstimmige Geschrei der Muezzine über einer islamischen Stadt gehört? Es übertönt die Glocke bei weitem – in Wien, nicht in Istanbul. Dort läutet keine Glocke. Wenn man das Problem also nicht sehen will, dann wird man es hören! Die Minarette erregen Anstoß, nicht die Forderung Küngs nach einem Verzicht.

Den Freiheitlichen geht es hingegen nicht um Religion, sondern um die Bürgerrechte, die sie durch die Ausbreitung des Islam in Gefahr sehen, nicht unbegründet, wie ein Blick in islamische Länder zeigt. Dass davon vor allem die Rechte der Frauen betroffen sind, stört Neuwirth nicht. Er ist ja ein Mann.

Brigitte Kashofer

3300 Amstetten

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2008)

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