Buben und halbnackte Damen

Alle finden das normal

Berufsschwuchtel-Betriebsfeier, von Franzobel, 19. Mai
Exhibitionismus und Voyeurismus sind unter normalen Umständen strafbar oder aber zumindest geächtet. Werden Kinder mit ins Spiel gebracht, reagieren die Medien empört und rufen nach Einschreiten der Polizei, und wenn die nichts unternimmt, nach politischer Verantwortung.

Beim Life Ball sind Voyeurismus und Exhibitionismus als Charity-Event nicht nur geduldet, sondern werden mit einem Goldenen Ehrenzeichen belohnt. Auch Kinder sind dabei – die Wiener Sängerknaben kann man wohl als Kinder bezeichnen, und alle finden das normal. Ein launiger Artikel unter einem großformatigen Bild ist da zu wenig, wo ist da die in anderen Fällen eingeforderte Zivilcourage? Man darf diese Veranstaltung maximal als schrill bezeichnen, zu sagen, sie sei pervers, ist politisch unkorrekt. Aber warum nicht die Sachen beim Namen nennen – wir finden diese Veranstaltung pervers, außerirdisch pervers. Wir glauben auch nicht, dass wir mit unserer Meinung allein sind, es wäre schön, würden einmal alle aufzeigen, die mit diesem Megaspektakel im Rathaus nicht einverstanden sind.

Helmut und Grete Bischof
1190 Wien

Schockiert mich zutiefst

Mit großem Entsetzen habe ich in Ihrer Ausgabe vom 19. Mai ein großes Bild der Wiener Sängerknaben am Life Ball entdeckt. Das Bild, das die Buben zusammen mit mehr als halbnackten Damen zeigt, hat mich als Mutter wirklich schockiert. Nicht nur, dass diese Kinder zu einer wohl wahrlich nicht jugendfreien Veranstaltung „eingeladen“ wurden, sondern vor allem, dass offensichtlich auch Ihren Redakteuren jeglichen Sinn für Kinder- und Jugendschutz verloren haben, trifft mich sehr. Dass die Organisatoren dieser „Mega-Party“ keine Hemmungen haben, die Grenzen jeglicher Moral und des guten Geschmacks zu überschreiten, ist nicht weiter verwunderlich. Dass die Manager und Verantwortlichen der Sängerknaben einem solchen Engagement zustimmen, ist eine höchst fragwürdige Entscheidung (und ich bin sehr froh, dass keines meiner Kinder unter einem solchen Management und „Schutz“ steht). Dass aber Ihre Zeitung auf ein solches Niveau sinkt und offensichtlich ohne einen Funken von Verantwortungsbewusstsein, anstelle von Kritik, dass man vorpubertäre Buben Pornografie aussetzt, ein Bildzeugnis von solchen Ungeheuerlichkeiten – noch dazu in solcher Größe – abdruckt, schockiert mich zutiefst. Die Bildunterschrift verrät wohl viel über die Fantasien des Autors, aber damit diese Kinder in Verbindung zu bringen ist der Gipfel der Unverschämtheit und Geschmacklosigkeit.

In einer Zeit, wo man immer wieder von Missbrauch von Kindern hört und liest, geschieht hier Missbrauch einer ganzen Gruppe von Kindern (zu kommerziellen und amoralischen Zwecken) und wird widerspruchslos geduldet und sogar unterstützt.

Ulrike Reinöhl

9020 Klagenfurt

Schamlose Performance

Der Life Ball fördert, was er zu verhindern sucht: Aids. Warum? Durch die schamlose Performance scheint das Flair von Homosexualität, Perversität im Hochglanz, öffentlich zur Schau gestellter Nacktheit, Erotik und Befriedigung, ... als Normalität und wird als Fest der Toleranz, Freiheit und Liebe gepriesen. Wenn es wirklich um Aids-Vermeidung gehen soll, frage ich mich, warum man nie ein Wort hört von Selbstbeherrschung, Sex in der Ehe, Treue in der Beziehung, ... Dies alles würde viel wirksamer vor Aids schützen als ein Gummi. Bei diesem Ball wird eine reduzierte und einseitige Art von Sexualität und Ausleben von Lust propagiert, die den Menschen nicht menschlicher, reifer, freier, ... macht, sondern unmenschlicher, unreifer und den Menschen neu versklavt.

Der Organisator wird mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich geehrt. Ich frage mich, wofür? Unter dem Deckmantel einer humanitären Hilfe wird hier Perversität produziert und etabliert.

Für mich ist diese Entwicklung erschreckend. Ich bin für eine Wertschätzung der Sexualität, Erotik, ... und für die Aufhebung einer Diskriminierung von Homosexualität, aber nicht auf diese Art.

Mag. Robert Hautz
8020 Graz

Grundsätzlich eine tolle Sache

Der Life Ball ist grundsätzlich eine tolle Sache! Alle Besucher sollen sich auch wirklich an ihrem Leben erfreuen und das auch feiern, noch dazu im Bewusstsein, Aidskranken helfen zu können. Aber trotzdem ist die Frage zu stellen: Muss dabei die Freizügigkeit im gegenseitigen Gehabe und Verhalten, in der schrillen Bekleidung, besser Unkleidung, im sexuellen Outfit in so hohem Maße zur Schau gestellt werden? Wir alle wissen, dass der Sexualtrieb, gerade bei jüngeren Menschen, sehr stark ausgeprägt ist und eine gewisse Enthaltsamkeit nur mit großer Willensanstrengung erreicht werden kann. Wenn aber diese „nackte Freizügigkeit“ bei solch einer Veranstaltung mit heimischen Größen und international anerkannten Persönlichkeiten quasi legalisiert wird, umso weniger wird dann das Bemühen einer sexuellen Beherrschung Platz greifen – man erreicht, so glaube ich, eigentlich nur das Gegenteil. „Tu dir keinen Zwang an, weil die anderen tun's ja auch!“ Man fördert förmlich dieses Verhalten der Willensschwäche, lässt seinen Gefühlen freien Lauf, ohne dabei nur im Geringsten über eine Folgenabschätzung nachzudenken. Und darin liegt ein gewisser Widerspruch im Erreichen aller Ziele dieses Life Balls. Ich bin überzeugt, das Potenzial an Visionen bei den Veranstaltern ist so gewaltig groß, dass auch ohne großartiger „Blöße“ weiterhin ein so erfolgreicher Ball gestaltet werden kann.

StR. Ing. Johannes Thallinger
2601 Sollenau

Weltweite Anerkennung

Als treuer „Presse“-Leser bin ich über diesen Artikel entsetzt, vor allem darüber, dass Sie diesen Schwachsinn auch veröffentlichen. Herr Franzobel hat offenbar den Sinn des Life Ball nicht verstanden und macht eine tolle Veranstaltung mit 16 Jahren Tradition, die er zum ersten Mal besucht hat, schlecht und damit auch Österreich schlecht.

Weltweit gibt es Anerkennung dieses Events, aber es gibt halt leider immer Nörgler in Österreich, die alles schlecht machen.

Herr Franzobel soll einmal das leisten, was Herr Keszler seit Jahren zustande bringt.

Obwohl ich sehr belesen bin, ist mir kein Buch des Herrn Franzobel bekannt, warum drängt er sich so in den Mittelpunkt?

Alleine der Vergleich „nicht viel erotischer als ein FKK Strand auf der Donauinsel“ spricht ja schon für völliges Verdrehen der Dinge. Einerseits sprechen wir vom FKK-Strand der Wiener, von der 60-jährigen Hausmeisterin bis zum bodygestylten Fitnessclubabonnenten, andererseits von Topmodels mit perfektem Körper. Ich kann Herrn Franzobel gerne einen guten Optiker empfehlen oder ein Brillenputztuch, damit er einmal sieht, welchen Schwachsinn er da von sich gibt. Abgesehen davon war er wohl noch nie am FKK-Strand auf der Donauinsel.

Ing. Rudolf Prantl

1230 Wien

Homophobe Ansicht

Dass der Life-Ball-„Stargast“ Michael Konsel im ORF-Live-Interview die homophobe Ansicht verbreitet, wonach Fußball als „harter Sport“ kein Sport für Schwule sei, zeugt davon, wie sehr der Life Ball mittlerweile im Mainstream angekommen ist und wie wenig sich seine BesucherInnen über ihre eigene Homophobie bewusst sind. Verkleidete Biedermänner und -frauen kaschieren für einen Abend äußerst aufwendig ihre Abneigung gegen Schwule, Lesben und transidente Menschen, gegen das Nichteinordenbare, das Queere, das Aus-der-Norm-Fallende. Gleichzeitig wird die Teilnahme an dem schrillen Fest quasi als Zertifikat für „Toleranz“ gewertet, von den KaschiererInnen selbst, aber auch von der (heterosexistischen) Öffentlichkeit. Was das wert ist, wird klar, wenn einem dort Peter Westenthaler über den Weg läuft.

Gery Keszler hat einen an sich wunderbaren Planeten Life Ball kreiert, ihm und seinem Team gebührt dafür tausend Dank – dennoch darf bei allem Lob nicht übersehen werden, wie sehr dieses einige Stunden dauernde Event in eine homophobe österreichische Realität eingebettet ist. Dass schwulenfeindliche Aussagen eines „Stargastes“ keinerlei Einspruch nach sich ziehen, ist der eigentliche Skandal.

Mag. Stefan Schaden

1090 Wien

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2008)

Kommentar zu Artikel:

Buben und halbnackte Damen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen