Diktatoren-Sohn und Partytiger

Für Libyen verhandelte Saif Gadhafi den Deal rund um die Auslieferung der bulgarischen Krankenschwestern – mit Erfolg für sein Land.

Als Vermittler hat er im Interesse Libyens ganze Arbeit geleistet: Saif al-Islam al-Gadhafi war als Vorsitzender der Gadhafi-Stiftung federführend an den Gesprächen um die Begnadigung der bulgarischen Krankenschwestern beteiligt. Sie waren in Tripolis wegen des Ausbruchs einer Aids-Epidemie zum Tod verurteilt worden. Herausgeholt hat der zweitälteste Sohn des libyschen Staatschefs Muammar Gadhafi bei den zähen Verhandlungen Einiges: Nicht nur erhielten die Familien der kranken Kinder Entschädigungszahlungen, Tripolis kann nun auch mit saftigen EU-Finanzspritzen rechnen.

Der 35-jährige Saif, der in Wien studierte und gute Beziehung zu Jörg Haider unterhält, macht bereits längst durch sein staatsmännisches Auftreten auf sich aufmerksam. So verhandelte er Lösegeldzahlungen für europäische Geiseln auf der philippinischen Insel Jolo sowie Kompensationszahlungen für die Opfer des Lockerbie-Anschlags von 1988. Außerdem setzt sich der Diktatoren-Sohn mit einer Vorliebe für Maßanzüge für Staatsreformen ein, muckt aber nie gegen seien Vater auf. Daher verwundert es wohl nicht, dass ihn viele als den nächsten Präsidenten Libyens sehen.

Allerdings ist das „Schwert des Islam“ – so die Bedeutung seines Namens – auch für seinen exaltierten Lebensstil bekannt: In seiner Döblinger Villa hielt er sich einst zwei Tiger als Haustiere. Dort feiert er auch gerne Partys mit der einen oder anderen Ost-Schönheit. zoe

ZUR PERSON
Name: Saif al-Islam al-Gadhafi

Geboren am: 1972 in Tripolis als eines von Muammar Gadhafis acht Kindern

Laufbahn: studierte Architektur in Tripolis, MBA-Kurs an der Imadec-Uni in Wien, Chef der Gadhafi-Stiftung [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2007)

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