Ein gerader Herbert

Herbert Bösch hat nicht erst nach der Wahl die SPÖ-Führung scharf kritisiert. Er ist seit Jahren ein Rebell gegen den populistischen Kurs.

Wer mit ihm zusammentrifft, wird mit einem Redefluss empfangen und kommt nach Stunden völlig erschöpft aus dem Gespräch heraus. Herbert Bösch war bisher einer der engagiertesten österreichischen EU-Abgeordneten in Brüssel. Ein SPÖ-Mann mit breitem Fachwissen, der über Parteigrenzen hinweg anerkannt ist. Immerhin hat er 1999 maßgeblich dazu beigetragen, einen der größten Skandale in der EU-Kommission aufzudecken. Wegen seiner Arbeit musste damals die gesamte Santer-Kommission zurücktreten.

Bösch ist, wie seine Bekannten bestätigen, ein „gerader Herbert“. Er hat sich nie ein Blatt vor den Mund genommen, hat immer seine Meinung gesagt. In der SPÖ fristet er seit Jahren ein Schattendasein. Der Grund ist, dass er sich gegen alle Versuche gestellt hat, die Partei in Richtung Populismus zu drängen. Dem Vorarlberger, der nun Bundeskanzler Werner Faymann zum Rücktritt aufgefordert hat, war auch die Anbiederung an die „Kronen Zeitung“ ein Dorn im Auge. In einer Rede vor dem Parteitag ließ er mit dem Satz aufhorchen: „Ich bin der SPÖ beigetreten, nicht der ,Kronen Zeitung‘.“

Zwar hat ihm diese Kritik geschadet. Bösch wurde auf einen hinteren Listenplatz gereiht, ohne Chance, wieder in das Europaparlament einzuziehen. Doch blieb er seiner Linie treu. Ob vor der Wahl oder danach: Er ließ sich nicht den Mund verbieten. Der engagierte EU-Abgeordnete hat den EU-Haushalt genauso unbestechlich kontrolliert wie nun erneut die Linie seiner eigenen Partei. wb

ZUR PERSON

Name: Herbert Bösch

Geboren am: 11. September 1954

Studium: Soziologie und Politologie

Privat: verheiratet, drei Kinder [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2009)

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