Nur der Hass auf Israel eint

Warum man den Besuch Ahmadinejads am Nil nicht überbewerten sollte.

Natürlich gab es die ortsübliche Umarmung samt dem obligatorischen Wangenkuss. Doch nicht einmal die von offizieller Seite zur Verfügung gestellten Fotos konnten die Distanz zwischen den beiden bärtigen Herren kaschieren. Das Einzige, was Ägyptens Präsidenten Mohammed Mursi und seinen iranischen Gast Mahmoud Ahmadinejad eint, ist ihr Hass auf Israel. Selbst wenn sie ihr Gespräch mit diesem „Eisbrecherthema“ begonnen haben sollten, viel näher wird man einander nicht kommen. Schon Mursis Ankündigung, er wolle das Verhältnis zum Iran verbessern, hat für Aufregung gesorgt: Der Westen reagierte mit pawlowscher Angstlust vor einer überkonfessionellen islamistischen Internationalen, am Golf sorgt jede Annäherung eines sunnitisch-arabischen Landes an den schiitischen Iran für Schlafstörungen.

Mursi wird sich aber bei seinem Gast weder Tipps zum Aufbau einer islamischen Republik holen – das hat er gar nicht nötig – noch durch eine tatsächliche Annäherung an Teheran seine saudischen Geldquellen austrocknen – das kann er sich nicht leisten.

Man sollte diesen Besuch also ebenso wenig überbewerten wie die angebliche neue Verhandlungsbereitschaft Teherans im Atomstreit. Sie kann der Iran völlig risikofrei bekunden, denn die Gefahr, dass der Westen Teherans Bedingungen annimmt, besteht aus gutem Grund nicht.

 

helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2013)

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