Hoch gepokert und verloren

Für Unternehmer Rudolf Haberleitner war Dayli vor allem ein spannendes Spiel.

Niedermeyer, Alpine und jetzt Dayli. Handelt es sich hier um eine unglückliche Häufung von Einzelfällen, oder steckt mehr dahinter? Ein Kreditschützer, der schon viele Pleiten aus der Nähe gesehen hat, mutmaßt bereits, dass wir in Österreich dereinst auf das Jahr 2013 als den Beginn einer großen Pleitewelle zurückblicken werden.

Gerade bei Dayli spricht aber viel dafür, dass vor allem individuelles Versagen die Drogeriekette an den Abgrund geführt hat. Und diesmal wird der Fall tiefer sein als bei der Insolvenz von Schlecker im vergangenen Jahr. Damals sollen die österreichischen Filialen noch profitabel gewesen sein. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Mit seiner Verzögerungstaktik bei der Suche nach einem Investor, die Gewerkschaft und Lieferanten nun beendet haben, hat Firmenchef Rudolf Haberleitner Dayli massiv geschadet. Jetzt hat er im letzten Moment seine Firmenanteile abgestoßen.

Davor verschwand unter dubiosen Umständen eine Million Euro in Italien. Hat Haberleitner erst hoch gepokert und dann, als die Niederlage gewiss war, ein Ass im Ärmel behalten? Klar ist jedenfalls: So einen haarsträubenden Fall von unternehmerischem Fehlverhalten wird man auch dereinst nicht mit der schlechten Konjunktur entschuldigen können.

 

eva.steindorfer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2013)

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