Hohe Arbeitslosigkeit, weil die Statistik weniger gefälscht wird

Die steigende Arbeitslosigkeit Älterer bedeutet vor allem weniger Frühpensionisten.

Ja, die Arbeitslosigkeit ist wieder gestiegen in diesem Land. Ja, es ist eine Tragödie für jeden, der davon betroffen ist. Nein, das soziale Gefüge gerät nicht ins Wanken. Weil vieles, was oberflächlich betrachtet als Verschlechterung empfunden wird, in Wahrheit eine Verbesserung darstellt. Wie zum Beispiel der „dramatische Anstieg“ bei den älteren Arbeitslosen, wie er Monat für Monat larmoyant verkündet wird. Im April stieg die Zahl der über 50-Jährigen ohne Beschäftigung gar um 20 Prozent. Schlimm? Nur für jene, die sich in der Frühpension wohler fühlen als in der Arbeitslosigkeit.

Für ein Drittel dieser Menschen bewahrheitet sich die gängige These nämlich nicht, dass man in diesem Alter ohnehin keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hat. Sie finden wieder einen Job und vielleicht sogar einen neuen Sinn in ihrem Berufsleben. Noch nie waren so viele ältere Menschen berufstätig wie heute.

Es könnten noch mehr sein, würde man das Pensionsantrittsalter zügiger erhöhen. Die Menschen sind nicht so hilflos, wie ihnen weisgemacht wird. Denn schließlich lebt der Vollkasko-Sozialstaat davon, dass die Zahl jener immer größer wird, denen nicht mehr zu helfen ist.

E-Mails an: gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2014)

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