Intervention gegen jede (Islam-)Kritik

Die Wehleidigkeit der Islamischen Glaubensgemeinschaft ist groß. Zum viel zitierten Dialog gehören doch tatsächlich kritische Stimmen.

Sie werden nicht müde, das Miteinander, den Dialog oder den Weltfrieden zu preisen. Vertreter der Religionsgemeinschaften loben auch gerne die allgemeine Offenheit. Doch wenn es sie selbst betrifft, ist es damit nicht ganz so weit her. So geschehen vor einem Vortrag in Traun (ÖO): Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft und SP-Gemeinderat, hatte im Vorfeld gegen Referentin Christine Schirrmacher als „Islamophobin“ mobil gemacht. Mit Erfolg: Die Veranstalter (eine kleine Pfarre) luden die Leiterin des Bonner Instituts für Islamfragen wieder aus. Al-Rawi verweist auf den Klappentext (!) des Buches „Die Frauen und die Scharia“, das Schirrmacher mitverfasst hat. Da heißt es: „Im Namen der Scharia werden Frauen beschnitten, zwangsverheiratet, vergewaltigt, eingesperrt, gesteinigt oder für die Ehre ermordet.“

Für Al-Rawi ist dies eine unzulässige „verallgemeinernde“ Aussage. Ein Urteil über die Haltung einer Person aufgrund eines Klappentexts hingegen offenbar nicht. Wäre es dies vielleicht, wenn es sich um einen moslemischen Autor handelte, dem so widerfahren würde? Vermutlich.

Damit hier keine Einseitigkeit aufkommt: Unlängst intervenierte die Israelitische Kultusgemeinde gegen eine Diskussion über Gaza, die von prononcierten Israel-Kritikern mitveranstaltet wurde. Und wie so manche Diözese reagieren würde, gäbe man prominenten Kirchen- und Christentum-Kritikern breiten Raum, ist leicht vorstellbar. Das ist ziemlich genau das Gegenteil von Dialog. (Bericht: Seite 20)


rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2008)

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