Quo vadis, ecclesia sanctissima?

Römische Revolution: Franziskus verbannt Latein als Arbeitssprache der Familiensynode.

Sind es – wir weigern uns, daran zu glauben – besorgniserregende Bildungslücken unter den Kardinälen und Bischöfen, die Franziskus zu seinem Schritt veranlasst haben? Kaum fragt die frisch designte Zeitung der Erzdiözese Wien auf ihrer Titelseite für Puristen radebrechend „Quo vadis, Familie?“, schafft Franziskus das Latein ab. Zumindest als Arbeitssprache der soeben unter verbalen (Schau-)Kämpfen begonnenen Außerordentlichen Bischofssynode zum Thema Familie. Ist es also schon so weit gekommen?

Der Schock all jener, die die katholische Kirche ängstlich vor jedem Hauch dessen, was unzutreffend Zeitgeist genannt wird, verschonen wollen und in ihren Tagträumen die Vergangenheit glorifizieren, darf als gesichert angenommen werden. Das Fehlen des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. bei der illustren Versammlung ist da fast schon Statement.

Wohin soll das noch führen? Erteilt Rom wiederverheirateten Geschiedenen gar den apostolischen Sanctus, die Sakramente empfangen zu dürfen? Spricht Rom bei der Entscheidung für ein „künstliches“ Empfängnisverhütungsmittel gelassen ein Nihil obstat? Konservative, den Status quo festhaltende Kräfte, versuchen, Reformen zu verhindern. Ob sie unter den 190 Bischöfen in der Mehrheit sind? Franziskus könnte sie mit deren Waffen schlagen. Und Reformen anordnen. Früher hätte man gesagt: ex cathedra.

dietmar.neuwirth@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2014)

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