Vertuschen bringt nichts

Fehler passieren – auch im Spital. Das sollte man endlich ehrlich sagen.

Fehler passieren nun einmal. Just in Spitälern sollte das anders sein? Das kann doch keiner ernsthaft glauben. Da die Folgen im Gegensatz zu anderen Branchen freilich fatal und sogar oft letal sind, sollten sie im Spital tunlichst vermieden werden. Man hat aber nicht den Eindruck, dass daran mit Nachdruck gearbeitet wird. Im Gegenteil. Wenn in einem – zugegebenermaßen skandalisierenden – Buch über tausende unnötige Todesfälle in heimischen Krankenhäusern berichtet wird, dann haben die Verantwortlichen dem so gut wie nichts entgegenzusetzen. Sie wissen nämlich gar nicht, ob der Vorwurf zu Recht erhoben wird. Die Zahl der vermeidbaren Todesopfer im Gesundheitssystem wird nämlich sicherheitshalber erst gar nicht erhoben. Und das ist grundfalsch.

In Großbritannien geht man einen ganz anderen, auf den ersten Blick schockierenden Weg. Jedes Spital ist dazu verpflichtet, Anzahl und (Miss)-Erfolg aller seiner Operationen im Internet zu veröffentlichen. Der Patient hat dann, so es sein Zustand zulässt, das Recht zu wählen, ob er länger auf die Behandlung in der besten Klinik warten will oder ob er auch anderen vertraut. Ein krankes System, das unnötig Ängste schürt? Keineswegs. Was bitte schön ist so viel besser daran, seinen Patienten vor jedem noch so einfachen Eingriff immer längere Listen mit möglichen Komplikationen samt tödlichen Folgen vorzulegen? Da geht es doch nur um die rechtliche Absicherung. Mit Ehrlichkeit hat das gar nichts zu tun. Genau die täte unserem Gesundheitssystem aber schon lange gut.


innenpolitik@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2009)

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