Wenn ein Grieche das böse "M-Wort" sagt

Leere Kassen, Flüchtlingskrise - alles Lappalien. Das wahre Problem heißt offenbar Mazedonien. Ein Minister steht deshalb vor der Ablöse. Kein Witz.

Gebrauchte das M-Wort: Giannis Mouzalas
Gebrauchte das M-Wort: Giannis Mouzalas
Gebrauchte das M-Wort: Giannis Mouzalas – APA/AFP/EMMANUEL DUNAND

Niemand wird allen Ernstes behaupten, dass die griechische Politik immer eine rational ganz nachvollziehbare Angelegenheit ist. Man frage nur Wolfgang Schäuble. Nun aber hat sich gezeigt, dass die meisten Beobachter, Kommentatoren und EU-Partner die Situation in dem Land und die Prioritäten möglicherweise fundamental missverstanden haben.

Dass Griechenland im vergangenen Jahr nur haarscharf am "Grexit" vorbeigeschrammt ist, und dass sich trotz aller Hilfspakete und mancher Reformen die Situation auch heute alles andere als rosig darstellt - eine Kleinigkeit, so scheint es. Dass Griechenland von der Flüchtlingskrise so stark betroffen ist wie kaum ein anderes Land - eine Lappalie, offenbar.

Athen hat zwar nicht zuletzt aus Selbstschutz bisher nach der Devise gehandelt "Willkommen in Griechenland, hier geht's Richtung Deutschland" (wie andere Länder auch). Doch seit der von Wien aus orchestrierten Schließung der Balkanroute ist die Situation tatsächlich dramatisch, und es hilft gar nichts, wenn aus mitteleuropäischen Ländern auf Athen geschimpft wird: Das Land braucht Hilfe, und zwar jetzt. Könnte man meinen.

Doch das ist offenbar eine Fehleinschätzung, denn das wahre Problem Griechenlands wurde übersehen: Jenes kleine Nachbarland namens Mazedonien, Entschuldigung, "Frühere Jugoslawische Republik Mazedonien", mit dem man in der Flüchtlingskrise eigentlich aufs Engste kooperieren sollte.

Nun hat ein Minister, es war Migrationsminister Giannis Mouzalas, ein in der griechischen Politik unverzeihliches Verbrechen begangen: Er hat Mazedonien "Mazedonien" genannt. Das ist angeblich deshalb so schlimm, weil es in Nordgriechenland eine Region namens Makedonien gibt, und auf die könnte Skopje ja Ansprüche erheben (was freilich kein mazedonischer Politiker von Verstand und Relevanz tut; ganz abgesehen davon, dass die Angst des "Elefanten" Griechenland, das über eine der am stärksten hochgerüsteten Armeen der Nato verfügt, vor der "Maus" Mazedonien höchst irrational ist. Hochgesteigerter Balkan-Nationalismus in Reinkultur).

Dass sich der unglückliche Minister sogleich für seinen angeblichen Fauxpas entschuldigte und beteuerte, man könne daraus keineswegs die Haltung der Regierung ableiten und so weiter und so fort, half wenig. Nicht nur die Opposition fordert den Kopf des Ministers, auch die rechtsextreme Partei Anel, die mit der linksextremen Syriza von Premier Alexis Tsipras in einer Koalition sitzt, äußerte sich ultimativ in diese Richtung.

Die ganze Farce erinnerte den Korrespondenten der FAZ an den legendären Film "Das Leben des Brian", namentlich die Steinigungsszene, in der das unabsichtlich ausgesprochene Wort "Jehova" letale Folgen zeitigt. Was bei Monty Python freilich eine gelungene Satire ist, ist in der griechischen Realität längst nicht mehr zum Lachen.

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