Definitiv zu rasch geschossen

In Krems stirbt ein 14-jähriger Einbrecher durch die Kugel eines Polizisten. Der Staatsanwalt ermittelt. Die Grünen fordern Konsequenzen.

Peter Pilz zählt ohne Zweifel seit Jahrzehnten zu jenen Politikern, die besonders zugespitzt zu formulieren wissen. Die, ohne von Skrupeln angekränkelt zu sein, mit Verdächtigungen aller Art rasch zur Hand sind. Die es, kurzum, einfach immer besser wissen.

Auch beim Tod eines Einbrechers durch die Kugel eines Polizisten Mittwochnacht. Der erregt seit gestern die Gemüter. Dass der in einem Supermarkt tödlich Getroffene erst 14 Jahre alt und Österreicher, eben kein Ausländer, war, könnte wohl einiges zur großen Beachtung des Vorfalls mit beitragen. Der grüne Langzeitabgeordnete Pilz forderte wenige Stunden nach dem Bekanntwerden des tödlichen Zwischenfalls bereits weitreichende Konsequenzen. Die Liste derartiger Vorfälle werde immer länger. Offenbar könne sich die Polizei gegen Jugendliche mit einem Schraubenzieher in der Hand nicht anders helfen, als sie zu erschießen. Und so weiter und so fort.

Tatsächlich, die Liste von Todesschüssen wird „immer länger“. Mit jedem einzelnen Fall um genau einen Fall. Aber: Aus allen bisher bekannten Statistiken ist weder ein Anstieg der tödlichen Zwischenfälle im Speziellen noch der Schüsse im Allgemeinen abzulesen. Es ist vielmehr so, dass die Zahl der Einsätze mit Pistolenschüssen zurückgegangen ist – und das trotz stark gestiegener Kriminalität. Aber vielleicht verfügt Peter Pilz ja über andere Daten. Oder er hat, bildlich gesprochen, definitiv zu rasch geschossen. (Bericht: Seite 9)


dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2009)

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