Wie der IS „einsamen Wölfen“ eine Bühne bietet

Es war noch nie einfacher, Terror zu verbreiten.

Es ist eine Tat, die man kaum verhindern kann: Ein Mann greift zu einer Axt und einem Messer und attackiert wahllos Menschen im öffentlichen Raum. Diese Art von Anschlag bedarf keiner besonderen logistischen Vorbereitung. Es reicht, die Waffen im nächsten Baumarkt zu kaufen und wie jetzt im Fall Würzburg in einen Zug zu steigen. Ein direkter Kontakt zu einer jihadistischen Organisation wie dem sogenannten Islamischen Staat (IS) ist dafür nicht mehr nötig. Und der IS bucht die Aktion trotzdem propagandawirksam auf seinem Attentatskonto gut.

Beim Angriff in Würzburg, beim Massaker in Orlando oder beim Blutbad in Nizza: Immer dann, wenn einzelne Attentäter – sogenannte einsame Wölfe – zuschlagen, taucht die Frage nach der Grenze zwischen ideologischer Verblendung und reinem Wahnsinn auf.

Der IS bietet seit jeher Personen mit einer problematischen psychologischen Verfasstheit eine Bühne. Eine österreichische Gerichtspsychiaterin diagnostizierte bei zurückgekehrten IS-Kämpfern etwa einen ausgeprägten Mangel an Empathie für das Leid anderer.

Nun mobilisiert der IS über seine Aufrufe zunehmend Menschen, die ihren amokartigen Taten einen politischen Sinn geben können. Sind diese Täter über die IS-Ideologie zum Irrsinn oder über ihren Irrsinn zur IS-Ideologie gelangt? Noch nie war es einfacher als jetzt, Terror zu verbreiten.

wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2016)

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