Der Audimaxismus

Jeder anderen Berufsgruppe, die einfach tagelang ihren Arbeitsplatz besetzt, würde man das nicht so ohne Weiteres durchgehen lassen.

Studieren zu dürfen ist ein Privileg. Die Allgemeinheit zahlt dafür, dass sich einige Bürger mehr an Wissen und Bildung aneignen können als andere. Der Steuerzahler darf sich also dafür Leistung erwarten – eine Botschaft, die beim harten Kern der Uni-Besetzer eher nicht ankommt. So verständlich der Unmut über eine zu geringe Anzahl an Praktikumsplätzen, Knock-out-Prüfungen und Zugangsbeschränkungen ist – der simple Ruf nach mehr Geld und Gratisbildung für alle ist für angehende Akademiker ein wenig sehr schlicht. Zumal sich Minister Hahn nun ohnedies 34 Millionen Euro herauspressen ließ.

Somit könnten die Besetzer der Hörsäle diese nun eigentlich schön langsam wieder räumen. Die Rektorate der Unis waren bisher ohnehin sehr nachsichtig. Um eine Eskalation zu vermeiden, wich man lieber in andere Quartiere aus. Unter anderen Umständen würde man wohl von einer Kapitulation sprechen.

Dass die vorwiegend links-sektiererischen Audimax-Besetzer, die stundenlang darüber debattieren, ob man wegen eines offensichtlich Verwirrten, der andere mit einer Plastikgabel(!) bedroht, nun die Polizei rufen dürfe oder nicht, und dafür dissidenten Studierenden das Rederecht verweigern – eine Gruppe liberaler Studentenvertreter hat darum gebeten –, für die Studenten sprechen, davon ist ohnehin nicht auszugehen. Es dürfte doch eher so sein, dass die schweigende Mehrheit der Studenten ganz und gar nicht aufseiten der Audimaxisten steht.


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2009)

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