Kommentar

Jetzt ist noch Zeit, auf die Resettaste zu drücken

Rajoy und Puigdemont führen ihre Bürger in eine dunkle Ära der Gewalt. Sie sollten beide gehen.

Madrid und Barcelona schreiben gerade am schändlichsten Kapitel ihrer jüngeren Geschichte. In Katalonien auf die eigenen Bürger mit Waffen loszugehen und tags darauf gleich wieder mit Härte zu drohen sind eklatante Beweise dafür, dass Spaniens Regierung gescheitert ist – im Krisenmanagement; in der Aufgabe, Schutz und Sicherheit zu garantieren. Premier Mariano Rajoy sollte eigentlich wegen Unfähigkeit zurücktreten.

Doch ebenso schuldig an dieser hoch explosiven Lage ist die Regionalregierung: Durch ihre verantwortungslose Strategie der Sturheit, den Weg in die Unabhängigkeit ohne Dialog zu erzwingen, hat sie die Eskalation heraufbeschworen: erst durch das fragwürdige Referendum, gestern durch die angekündigte Unabhängigkeitserklärung. Regionalchef Carles Puigdemont hat offenbar kein Problem damit, sein weltoffenes Katalonien in eine Ära der Instabilität und Isolation zu lenken.

Die Botschaft der Massen auf Kataloniens Straßen ist deutlich: Es müssen Veränderungen her. Doch dieser blutige Sonntag kann nicht die Antwort sein. Er ist vielmehr eine Warnung, wie dunkel die Zukunft aussehen könnte, wenn der Scheidungsstreit nicht sofort geschlichtet wird. Spätestens jetzt sollten Madrid und Barcelona auf die Resettaste drücken. Auswege gibt es, die Katalanen brauchen nun vor allem Zukunftsperspektiven. Doch positive Aussichten bieten ihnen weder Rajoy noch Puigdemont.

susanna.bastaroli@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2017)

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