Fall Kampusch: Jetzt endlich aus

10.000 Arbeitsstunden der Justiz im Fall Kampusch – war es das wert?

Eigenwerbung muss erlaubt sein, wenn österreichische Ermittlungsbehörden etwas tun, das sie noch nie getan haben: nämlich nach Abschluss eines Ermittlungsverfahrens eine Pressekonferenz zu geben. 242Arbeitstage, knapp 10.000Arbeitsstunden, habe die Soko Kampusch in den Entführungsfall investiert. Eine stattliche Bilanz. Herausgekommen ist dabei ... nichts. So könnten Spötter das sehen. Denn dass Wolfgang Priklopil ein Einzeltäter gewesen sei, hieß es bereits 2006, nach der Flucht von Natascha Kampusch, als noch gar keine Soko existierte.

10.000 Stunden, war's das wert? Natürlich war es das. Schon angesichts der Vorgeschichte: Nach dem Verschwinden des Opfers machte die Polizei einen kapitalen Fehler. Sie ging einem stichhaltigen Hinweis auf einen gewissen Priklopil nicht nach. Die Frage, ob dies im Wahlkampf 2006 vertuscht werden sollte oder nicht, sorgte für endlose Debatten.

Dann befand eine kurz angebundene Staatsanwaltschaft Wien: Priklopil war ein Einzeltäter. Weil man schnell, unheimlich schnell zu diesem Schluss gekommen war, wurde eine Soko Kampusch eingesetzt. Diese durfte nicht einmal das beim Staatsanwalt liegende Kampusch-Protokoll lesen. Erst der mittlerweile vielseits belächelte Ludwig Adamovich machte es möglich. Seine Mutmaßungen zur Mehrtäterthese ließen sich allerdings nicht erhärten.

Was aber, wenn es wirklich einen zweiten Täter gegeben hätte? Und der Zeugin Kampusch etwas zugestoßen wäre? Das wäre eine wahre Katastrophe gewesen. Nein, in Sachen Mehrtäterthese gibt es kein Ergebnis. Aber alles genau geprüft zu haben war man dem Opfer schuldig – und auch, dass jetzt endlich Schluss ist.


manfred.seeh@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2010)

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