Glosse

Die Geheimhaltung, die (angeblich) keiner wollte

Im Nachhinein ist der Ausschluss der Medien vom Parteitag der Wiener SPÖ ein bisschen peinlich.

Im Nachhinein war es den Beteiligten offenbar ein wenig peinlich. Die Sache mit dem Ausschluss der Medien vom wichtigsten Parteitag der Wiener SPÖ seit langem. Solche Dynamiken kennt man ja aus dem eigenen (Arbeits-)Alltag: Gerade noch beklatschen alle eine Idee, aber sobald klar wird, dass sie draußen nicht ankommt, will es keiner gewesen sein. Also nicht so richtig.

Tatsächlich war die Idee der Geheimhaltung, die zuletzt auch die Grünen bei ihrem Parteitag hatten, keine gute. Sie kombiniert eine wenig schmeichelhafte Botschaft (Unsicherheit) mit Nutzlosigkeit - denn irgendwer redet oder postet immer. Erste Absetzsignale sandte Schieder daher bereits am Mittwoch aus:. Zunächst vorsichtig („meine Idee war es nicht“), dann deutlicher („ein blödes Signal“) absentierte er sich vom gemeinsamen Beschluss des Präsidiums. Strategisch drängte er damit seinen Konkurrenten Michael Ludwig in die unangenehme Rolle dessen, der für verschlossene Türen steht. Ludwig ging daraufhin in die Offensive und will nun selbst beantragen, dass der Parteitag medienöffentlich wird. Und das Parteimanagement in der Löwelstraße? Das klatscht. Alles super. 

Was zeigt diese etwas unnötige Episode im internen Wahlkampf? So nett, wie die Kandidaten uns glauben machen wollen, sind sie längst nicht zu einander. Und die Partei auch nicht so entspannt.

Dass sich die Kandidaten jetzt im auf die Brust klopfenden Bekenntnis zu Transparenz zu überbieten versuchen  („Ich will Transparenz und Offenheit. Wie findest du das?“, schreibt Ludwig auf Facebook.) , werden wir uns übrigens gerne merken. Als Motto für die nächste Amtsperiode. 

E-Mails an: ulrike.weiser@diepresse.com

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