Für den Kosovo bleibt die EU ein Friedensprojekt

Wien muss weiter Anwalt der Balkanstaaten sein.

Es war eine Geburtstagsparty mit Flaggen, Festreden und Grußworten internationaler Prominenz wie des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Zehn Jahre ist es her, dass der Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt hat, das wurde am Wochenende in der Hauptstadt Prishtina gefeiert. Nach Aufhebung der Autonomie 1989/90 durch die damalige serbische Regierung, nach Aufstand, Vertreibung, Krieg und UN-Verwaltung war es der innige Wunsch vieler Kosovo-Albaner, einen eigenen Staat zu bekommen.

Die Menschen im Kosovo machten sich vor zehn Jahren große Hoffnungen auf eine Zukunft in Wohlstand. Vieles davon erfüllte sich nur teilweise oder gar nicht. Trotzdem ist die Lage im Kosovo und der gesamten Region nicht mit der vor zehn oder 20 Jahren zu vergleichen. Heute herrscht Friede. Auch wenn Serbien die Unabhängigkeit nicht anerkennt, reden Belgrad und Prishtina miteinander.

Österreich zählt zu den Geburtshelfern des Staates Kosovo. Wichtig ist, eine kontinuierliche Politik zu verfolgen. Österreich muss Anwalt der Balkanländer bleiben. Anwalt für den Weg des Kosovo, aber auch Serbiens, in die EU. Dass dafür in diesen Staaten – und der EU – noch Reformen durchzuführen sind, ist klar. Klar ist aber auch: Auf dem Balkan hat die EU noch das Potenzial eines Friedensprojekts: Die Idee, dass der Verlauf von Grenzen in einer Union keine große Rolle mehr spielt, ist konfliktentschärfend. Das betrifft Kosovo und Serbien, aber auch Länder wie Mazedonien oder Bosnien und Herzegowina.

wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2018)

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