Atomabrüstung schön und gut, aber muss sich Trump anbiedern?

Lächeln, "Daumen hoch" und Lob: Dem US-Präsidenten könnte mit seiner unkonventionellen Politik diesmal ein außenpolitischer Erfolg gelungen sein, doch die Effekthascherei bei dem Gipfel mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un war zu viel des Guten.

Kim Jong-un geleitet Trump nach der Unterzeichnung der Abschlusserklärung nach draußen.
Kim Jong-un geleitet Trump nach der Unterzeichnung der Abschlusserklärung nach draußen.
Kim Jong-un geleitet Trump nach der Unterzeichnung der Abschlusserklärung nach draußen. – REUTERS/Jonathan Ernst

Es war wahrlich ein historischer Moment: Als sich US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un am Dienstag um neun Uhr Ortszeit in einem Luxushotel im Stadtstaat Singapur vor einem Meer an US-amerikanischen und nordkoreanischen Flaggen die Hand schüttelten, schrieben die beiden Männer Geschichte.

Und umso mehr, als sie wenig später Seite an Seite ein Dokument unterzeichneten, in dem sich Nordkorea im Gegenzug für Sicherheitsgarantien aus Washington zu einer völligen Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel und einem dauerhaften Frieden mit dem Süden bekennt. Sollte es Pjöngjang mit diesem Bestreben diesmal tatsächlich ernst meinen - denn die Annäherungsversuche zwischen Pjönjang, Seoul und Washington waren schon mehrmals im Sande verlaufen - dann ist der Erfolg auch Donald Trump zuzuschreiben.

Diesmal könnte er mit seiner unkonventionellen Politik den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Seine Überraschungstaktik, mit der sich Trump gerne rühmt, ermöglichte schließlich erst ein solches Treffen. Und das in Windeseile: Seitdem sich Trump zu einem Gipfel mit Kim bereit erklärt hat, sind nur wenige Wochen vergangen. Im Hintergrund arbeitete ein Tross an Diplomaten, um die Unterzeichnung der heutigen Abschlusserklärung zu verwirklichen.

Doch bei all der Euphorie ist heute eines ganz deutlich geworden: Der US-Präsident hatte im Vorfeld zwar angekündigt, dass der Gipfel kein bloßer Fototermin werden solle. Dass Effekthascherei für Trump aber ein wesentlicher Bestandteil des Treffens war, ist nun unbestritten.

Denn dem ersten freundlichen Handshake sollten noch einige weitere Gesten des Aufeinanderzukommens folgen: Da griff der 71-Jährige Trump dem um die Hälfte jüngeren Kim auf die Schulter, ließ sich bei jeder Gelegenheit händeschüttelnd mit Kim fotografieren, zeigte ihm vor dem persönlichen Gespräch in der Bibliothek des Hotels "Daumen nach oben", lächelte ihm zu, wies ihm bei einem gemeinsamen Spaziergang in den Gärten des Hotels den Weg - und lobte ihn als "sehr talentierten Mann".

Welches Bild vermittelt Trump denn hier? Der Führer der mächtigsten Demokratie der Erde setzt sich nicht nur an einen Verhandlungstisch mit einem seine Bürger ermordenden Diktator, wie es der Respekt gebührt. Er biedert sich vor den Kameras regelrecht an den Machthaber an.

Und Kim Jong-un ist das neue Selbstbewusstsein nach diesem Gipfel auf Augenhöhe deutlich anzumerken: Nach der Unterzeichnung des Vertrages, in dem sich die USA und Nordkorea auf die Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel verständigten, legt der 34-Jährige seine Hand auf Trumps Rücken und geleitet ihn hinaus.

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