Die Stadt ist kein Ort für große Hunde

Natürlich können auch Dackel zubeißen. Aber getötet werden Kinder nur von den sogenannten Listenhunden. Das müssen auch Hundeliebhaber einsehen.

Rottweiler 11 03 2018 Zagreb Croatia Rottweiler The Rottweiler is a breed of domestic dog rega
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Ein Rottweiler tötete Mitte September ein Kleinkind in Wien, weil sein Jagdinstinkt durch das Spiel "Engelchen flieg" ausgelöst wurde. – imago/Pixsell

Es sind sehr eigenartige Argumente, die von Hundeliebhabern gegen die jüngste Verschärfung der Hundehaltungs-Gesetze in Wien vorgebracht werden. So kritisiert etwa die Organisation "Vier Pfoten", dass davon nur Listenhunde betroffen sind. Das sind Hunde, die als potentiell gefährlich angesehen werden. In einer Aussendung heißt es: "Der Rassetyp bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund gefährlich ist. Wir sehen das gerade aktuell am Fall des Dackels, der ein kleines Kind gebissen hat."

Und ja, es stimmt. Es gibt große Hunde, die ihr ganzes Leben nie zubeißen. Und es gibt kleine Hunde, die sehr wohl zuschnappen. Der große Unterschied ist jedoch, dass zumindest die physische Verletzung bei einem Dackel oder einem Pekinesen in der Regel überschaubar bleibt (wiewohl gerade bei Kleinkindern auch das bereits zu einer regelrechten Hunde-Panik führen kann). Beißt allerdings ein Rottweiler, ein Schäfer oder gar ein auf das möglichst kräftige Zubeißen hin gezüchteter Pit Bull-Terrier zu, dann bedeutet das für Kinder so gut wie immer schreckliche Verletzungen und Narben am Kopf und im Gesicht. Und im schlimmsten Fall, wie das tragische Beispiel von Mitte September zeigt, den Tod. Der Gesetzgeber hat also Recht, wenn er zwischen den Rassen Unterschiede macht.

Wer ist hier der Tierquäler?

Dass die jetzige Gesetzesverschärfung nicht alle Probleme löst, steht auf einem anderen Blatt. Wahrscheinlich ist das aber auch gar nicht möglich. So trägt das Zusammentreffen von Kindern und Hunden immer den Kern des Problems in sich. Denn Kinder benehmen sich nun mal so, wie man sich gegenüber einem Hund nicht benehmen sollte. Sie sind unruhig und neugierig, halten keinen Abstand und greifen dem Hund manchmal sogar ungefragt auf die Schnauze. All das weckt in Hunden Abwehrreaktionen oder den Jagdtrieb. Und auch wenn Kind und Hund einander schon lange kennen, ist das noch immer kein Garant für Sicherheit, wie leider einschlägige Fälle gezeigt haben.

Aber auch abseits dieser gefährlichen Situationen ist das Thema konfliktträchtig. So gibt es kaum Eltern, die noch nie Hundekot von der Hose oder der Jacke ihres Kindes putzen mussten, weil ein Besitzer auf sein Sackerl für das Gackerl vergessen hat. Eine der beiden Seiten wird beim "Kampf" um die wenigen Wiesen in der Stadt also zurückweichen müssen. Und da die Stadt für Menschen gebaut ist, sind das definitiv die Hunde.

Hundeliebhaber argumentieren nun, dass Einschränkungen wie Beißkorbpflicht oder Auslauf ohne Leine nur in eingezäunten Hundezonen, Tierquälerei ist. Vielleicht ist es auch einfach Tierquälerei, einen großen Hund in einer für Menschen gedachten Stadt zu halten.

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