Wir spielen gern MUSTERKNABEN in Europa

Gold Plating ist ein Ausfluss des Bestrebens, Vorzugsschüler zu sein.

Der Österreicher mag in der Regel keine Streber, möchte aber geliebt und bewundert werden. Weshalb er, vor allem international, gern den Musterknaben hervorkramt. Legendär die seinerzeitige Verpflichtung zu besonders strengen Umweltstandards – die dann wegen Nichterfüllbarkeit sehr teuer wurde.

Neuerdings nennen sich die Musterknaben gern Vorreiter. Wir seien, sagt die Regierung, „Vorreiter“ beim 5G-Funknetz (während andere das schon aufbauen). Außerdem sind wir „Vorreiter bei der Decarbonisierung“. Hat zumindest Verkehrsminister Norbert Hofer gesprochen – ehe er eine Erhöhung des CO2-Ausstoßes per Anhebung des Geschwindigkeitslimits auf Autobahnteilstücken verfügt hat.

Man sieht, wir nehmen unser Musterknabentum in der Praxis nicht immer ganz genau. Aber immer noch ernst genug, um beim Gold Plating, einer freiwilligen Übererfüllung von EU-Vorgaben, um die Europameisterschaft mitzufighten.

Das ist, beispielsweise bei Sozialstandards, für viele Landsleute sehr praktisch. Belastet die ohnehin kostengeplagte Wirtschaft aber doch beträchtlich. Musterknabentum bekommt man eben nicht umsonst.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2018)

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