Schlechte Trainer am Werk

Österreichs Fußball hatte noch nie so viele Legionäre, doch nicht jeder Auslandseinsatz ist erfolgreich. Vor allem dann, wenn ein schlechter Trainer am Werk ist.

Österreichs Fußballlegionäre spielen quer auf Europas Ligen verstreut. Diese Errungenschaft sollte eigentlich auch dem Nationalteam zu einem neuen Aufschwung verhelfen, immerhin ist die Ansammlung von Know-how oder wichtiger Spielpraxis in Topligen nur von Vorteil für eine Mannschaft. Die Anzahl – in Deutschland etwa stellt Österreich seit der Saison 2017/18 das größte Legionärskontingent (28 in dieser Saison) – kann aber auch ein höchst tückischer Indikator sein. Weil manchen partout nicht der Durchbruch gelingen will und sie sich zumeist nur auf der Bank bzw. Tribüne wiederfinden.

Wie viel ein Teamchef bei Spielern bewirken kann, die bei ihren Klubs nicht zum Zug kamen, hatte Marcel Koller – so umstritten der Schweizer zum Schluss seiner ÖFB-Ära gewesen sein mag – bewiesen. Er schenkte ihnen das Vertrauen. Mit dieser Ausgangslage muss sich auch Franco Foda vor den so wichtigen Spielen in der Nations League gegen Bosnien und Herzegowina und Nordirland beschäftigen. Siege sind Pflicht, die Kaderauswahl ist also heikel.

Genießt ein Akteur aber in seinem Klub so überhaupt keinen Rückhalt, ist es höchst fraglich, warum er denn überhaupt dorthingewechselt ist. Finanzielle Aspekte dürfte unbestritten die wahrscheinlichste Antwort sein. Die Tatsache, dass sonst keine andere Option im unstillbaren Drang, sich im Ausland versuchen zu müssen, mehr bestanden hätte, ist eine weitere. Nur, wenn dort der vollkommen falsche Trainer werkt, ist es selbst für gestandene Profis zumeist ein Drahtseilakt.

Diese Problematik trifft offenbar derzeit für Raphael Holzhauser bei Grasshoppers Zürich zu. Er hatte genug vom monotonen Dasein als Ideengeber der erfolglosen Austria, verhandelte tatsächlich mit Klubs in der Türkei, wurde viel zu oft mit AEK Athen in Verbindung gebracht – und landete letztendlich bei bei den Grasshoppers, dem Schlusslicht der Schweizer Super League. So viel zum Wahrheitsgehalt manch Transfergeflüsters.

Holzhauser hätte vorgewarnt sein müssen, weil dort Thorsten Fink trainiert, dessen Methodik „schöngeredeter Niederlagen“ er in Favoriten bereits kennengelernt hat. Auch die Spielweise, der von Gegnern oft viel zu leicht auszurechnende Auftritt, war bekannt.
Fink ringt auch in Zürich um Anerkennung. Sechs Runden kein Sieg, Tabellenende: Die Kritik wird lauter. Holzhausers Spiel ist mit zwei Toren und zwei Assists auch schwach. Der 25-Jährige brauchte Zuspruch, das Vertrauen des Trainers. Was macht Fink? Ihn mit nach Zürich zu nehmen sei nicht seine Idee gewesen, sagt er „Kicker“.

Der Klub habe ihn vorgeschlagen, gefolgt von einer teflonbehafteten Pointe: „Ich hatte Bedenken, einen Spieler zu holen, den ich schon einmal hatte. Aber er war ablösefrei.“ Normalerweise halten Trainer zu ihren Spielern, stellen sich bedingungslos vor sie, mimen selbst im Misserfolg unentwegt den Prellbock. Sie wandeln Kritik in Motivation um. Ein guter Trainer kann schlechte Fußballer umgehend besser machen. Ein schlechter Trainer aber kann gute Fußballer endgültig zerbrechen.

markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2018)

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