Gratulation auf Sexistisch

Es gibt viel, das man die erste Gewinnerin des Ballon d'Or hätte fragen können. Aber nicht, ob sie „twerken“ kann.

Ada Hegerberg hat Olympique Lyon in der vergangenen Saison mit 46 Toren zum französischen Meistertitel und dem dritten Champions-League-Sieg in Folge geschossen. Als allererste Fußballerin durfte sie am Montag in Paris die prestigeträchtige Auszeichnung des Ballon d'Or entgegen nehmen. Ja, 62 Jahre nach den Männern ehrte das französische Fußballmagazin "France Football" zum ersten Mal auch die beste Spielerin.

Und dann sollte Hegerberg für das Publikum ein bisschen mit dem Popo wackeln. Zumindest der französische Musiker und DJ Martin Solveig, einer der Moderatoren der Gala, hielt es für eine lustige Idee, die 23-Jährige zum "twerken" aufzufordern.

Das ist jedoch überhaupt nicht lustig, sondern plumper Sexismus mit dem sich Frauen, insbesondere im Sport, im Jahr 2018 noch herumschlagen müssen. Hegerberg verstand sofort und antwortete mit einem knappen "Nein", ihr versteinertes Gesicht sprach für sich. Die Storyline ihres großen Abends war damit geschrieben, mit Fußball in der Nebenrolle. Solveig hat sich inzwischen entschuldigt und sich dabei auf mangelnde Englischkenntnisse berufen. Komisch nur, dass er die Norwegerin in seiner Muttersprache Französisch nach dem provokanten Tanz fragte.

Hegerberg selbst wollte das Thema in Interviews danach nicht weiter hochkochen. Das tun dafür jetzt andere, die im Internet wieder einmal gegen übertriebene politische Korrektheit geifern. Ihnen sei gesagt: Ja, es gibt größere, strukturelle Probleme mit Sexismus, gerade im Sport: Sportlerinnen verdienen im Schnitt deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen (im Jahr 2017 fand sich keine einzige Frau unter den Top 100), ihre Leistungen sind in der öffentlichen Wahrnehmung weniger präsent und sie werden immer noch zu oft auf ihre Weiblichkeit reduziert. Leider.

Gerade deshalb muss pseudo-lustigen Aktionen und plumpen Bemerkungen deutlich widersprochen werden, denn auf sie baut diese Diskriminierung auf.

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