Der Trick mit den Arbeitslosen

Ohne Statistiktricks haben wir fast 600.000 Arbeitslose. Die Regierung sollte sich mit Jubelmeldungen also noch zurückhalten.

Hurra, die Arbeitslosenzahl ist im Jahresvergleich erstmals seit Langem gesunken, hat man gestern gehört: um 5000 auf 266.320. Möglich wurde das dadurch, dass die Zahl der zur Schulung geschickten Arbeitslosen (die nicht in der Statistik aufscheinen) um satte 21.137 auf 84.017 gestiegen ist. Das berechtigt natürlich zu politischem Jubel: Wir haben zwar die Arbeitslosigkeit noch nicht eingedämmt, aber wir schaffen es immer besser, die Arbeitslosen zu verstecken.

Darf man deshalb vielleicht einmal Klartext reden? Derzeit sind mit den „Geschulten“ 350.000 Menschen offiziell ohne Arbeit. Dazu kommen Arbeitslose im Krankenstand, solche mit Bezugssperre, Menschen, die Arbeit suchen, aber keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben (etwa Schulabgänger oder Hausfrauen), Pragmatisierte, die etwa bei der Telekom Austria oder den Bundesbahnen bei aufrechtem Beschäftigungsverhältnis arbeitslos Daumen drehen, weil sie weder gekündigt noch versetzt werden können. Und die Frühpensionisten, von denen ja ein nicht geringer Teil – vor allem im staatsnahen Bereich und bei Banken – „betriebsbedingt“ in die noch gar nicht angestrebte „Pense“ abgeschoben wurde.

Wenn wir das alles einmal so über den Daumen gepeilt addieren, kommen wir auf 550.000 bis 600.000 echte Arbeitslose. Das ist wirklich kein Anlass für politische Jubelmeldungen, wie wir sie gestern vereinzelt gehört haben.


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2010)

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