Gefährliche Kontrollsucht

Jetzt hat er es wirklich getan: Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, hat Murat Çetinkaya gefeuert.

„Seinen“ Zentralbankchef – denn genauso sieht es Erdoğan. Die gerieten sich regelmäßig in die Haare, weil der (eigentlich unabhängige) Notenbanker die Zinsen hochhielt, Erdoğan aber die reichlich originelle These vertritt, dass niedrige Zinsen das Inflationsproblem des Landes lösen werden.

Erdoğan reiht sich nun in die ruhmlose Liste von Autokraten und Populisten ein, die unabhängige Notenbanken für sich vereinnahmen: In Polen hat die nationalkonservative PiS-Regierung quasi als erste Amtshandlung einen Vertrauten zum Notenbankchef gemacht; in Ungarn hat Viktor Orbán bereits mehrmals das Zentralbankgesetz geändert; in Japan hat der nationalistische Premier die Autonomie der Notenbank eingeschränkt. Und in den USA wettert Donald Trump auch oft und gern gegen den Fed-Chef.

All das unter dem Motto: Lieber einen Sündenbock geißeln, als mühsame Strukturreformen auf den Weg zu bringen. Reichlich kurzsichtig ist das. Und wer wird dann an der nächsten Krise schuld sein?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2019)

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