Vertirolern wir doch Restösterreich!

Das Land Tirol sagt Missbrauchsopfern in außerkirchlichen Einrichtungen Entschädigungszahlungen zu.

Doch, doch, das gibt es: Manche Regierungen arbeiten noch – sogar an einem hohen kirchlichen Feiertag, selbst in einem durch und durch katholisch geprägten Land. Von Tirol ist hier die Rede, einem anderswo oft nicht oder schwer verstandenen Teil Österreichs. Landeshauptmann Günther Platter hat dort gestern vor und in einer Sondersitzung der Tiroler Regierung den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen auch in Einrichtungen seines Bundeslandes thematisiert: Er hat um Verzeihung für derartige Untaten gebeten. Die Übernahme von Therapiekosten garantiert. Und Entschädigungszahlungen seines Bundeslandes in Aussicht gestellt– ähnlich jenen, zu denen sich Österreichs katholische Bischöfe und Ordensobere schon vor dem Sommer verpflichtet haben. Der Wettstreit ist somit eröffnet, wer als Erster Geld an ein Missbrauchsopfer auszahlen wird.

Ja und, mögen manche denken, ist doch alles eigentlich eine Selbstverständlichkeit angesichts eines ohnedies kaum mehr wiedergutzumachenden Leides. Tja, tatsächlich bemerkenswert ist eher, dass sich Tirol so ganz und gar von den anderen Bundesländern abhebt. Dort reagiert man auf Missbrauch in eigenen Schulen und Internaten mit Wegschauen und Verdrängen. Entschädigungszahlungen? Vergebungsbitten? Fehlanzeige. Dem Rest Österreichs würde es nicht schlecht anstehen, sich ein Beispiel zu nehmen. Und rasch einen Prozess der Vertirolerung einzuleiten. Mander ... (Bericht: Seite 8)


dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2010)

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