Rechtsruck in der Wiener FPÖ

Die Kandidatenliste der FPÖ für die Wien-Wahl: Strache übergibt die Partei an Rechtsausleger, die letzten Pragmatiker wurden verräumt.

Kann die Wiener FPÖ, die Machtbasis von Parteichef Heinz-Christian Strache, noch weiter nach rechts rücken? Sie kann. Dabei geht es nicht um die „Wiener Blut“-Plakate. Diese sind nur Vorgeschmack auf die nächsten Jahre, wenn in der Wiener FPÖ Johann Gudenus das Sagen haben wird. Mit dem „jungen Gudenus“, der am Dienstag als Straches Kronprinz auf Platz zwei der FPÖ-Liste für die Wien-Wahl inthronisiert wurde, übernimmt ein Vertreter des äußersten rechten Flügels die Macht. Bekannt wurde Gudenus, weil er eine Kondomsteuer forderte, um die Geburtenrate der „echten“ Österreicher zu heben. Ein anderes Mal sah er eine „voll einsetzende Umvolkung“ – Aussagen, die üblicherweise nicht zur politischen Alltagskultur dieses Landes gehören, dafür zum Sprachrepertoire des neuen starken Mannes der Wiener FP. Dazu rangiert mit FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky ein Mann auf einem Top-Listenplatz, der mit dem verbalen Bihänder gegen alles unterwegs ist, was fremd ist. Und der FPÖ ist ziemlich viel fremd.

Spekulationen, dass die Unappetitlichkeiten am 10. Oktober enden, sind naiv. Die Wiener FP segelt seit gestern sogar verstärkt auf ihrem Kurs, der ins Nichts führt. So sehr Strache Wiener Bürgermeister werden will – er wird dieses Ziel nie erreichen, weil keine Partei mit der FP koalieren wird. Selbst Wiens VP-Chefin Christine Marek, die lange Zeit gezaudert hatte, erklärte nach den jüngsten Plakaten: Es wird keinen Pakt mit der FPÖ geben.


martin.stuhlpfarrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2010)

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