Ein Erfolg für Speras Feinde

Peter Menasse, Prokurist des Jüdischen Museums, schrieb sich auf der Pinwand seines Facebook-Accounts seinen Ärger über die Kritik an seiner Chefin.

Kommentar

Es ist vermutlich der erste Rücktritt wegen eines Facebook-Eintrags in Österreich. Peter Menasse, Prokurist des Jüdischen Museums, schrieb sich auf der Pinwand seines Facebook-Accounts seinen Ärger über die Kritik mehrerer Museumsdirektoren an seiner Chefin Danielle Spera von der Seele. Dafür verwendete er die schlicht geschmacklose und besonders dämliche Formulierung „Ihre Ehre heißt Treue“ in Abwandlung des SS-Spruchs.

Menasse kann und will nicht verstehen, dass man eine veraltete Darstellungsform jüdischer Geschichte nicht entfernen und – wenn es nicht anders geht – demontieren darf. Damit ist er außerhalb des schönen Elfenbeinturms der akademischen Museumschronisten nicht ganz allein. Dass er auch geht, weil ihm die Angriffe und Intrigen gegen Danielle Spera und seine Person zu viel werden, ist verständlich. Im Fall Spera sieht man schon, wie lustvoll Journalisten gegen eine – durch Funk und Illustrierte – Prominente vorgehen, wenn sich nur eine Gelegenheit ergibt. Und wie persönlich in Wien Fehden geführt werden.

Ein gewisser Ernest Windholz sagte 2000 öffentlich wörtlich: „Unsere Ehre heißt Treue.“ Der FPÖ-Politiker trat nicht zurück. Menasse, der Jude, schon.

 

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2011)

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