Goldene Nasen in Tirol

Tirols Wirtschaftskammer-Präsident hat offenbar wenig Vertrauen in kammereigene Vergaben. Sein eigenes Vorgehen gibt ihm recht.

Auf seiner Homepage lobt sich Tirols Wirtschaftskammer-Präsident, Jürgen Bodenseer, als „unberechenbar, spontan und kreativ“. Das trifft's recht gut. Wie sonst kann es einem amtierenden Präsidenten einfallen, sich mit einer Anfrage als Privatunternehmer in ein Vergabeverfahren der eigenen Kammer einzumischen? Alles nur ein „Fake“, rechtfertigt der Präsident seine verhaltenskreative Vorgangsweise. Er wollte nur sichergehen, dass sich beim Ankauf „brutal teurer“ (Bodenseer) Sessel „niemand eine goldene Nase verdient“.

Sehr ausgeprägt dürfte Bodenseers Vertrauen in Importeure und Lieferanten seiner Branche sowie kammereigene Ausschreibungs-, Vergabe- und Kontrollmodalitäten nicht gerade sein. Und er hat recht. Denn wenn er selbst eine Abwicklung über seine Liechtensteiner Firma anbietet, um heimischen Vertragsklauseln aus dem Weg zu gehen, kann einem dazu viel einfallen. Aber nur schwer die Attribute, mit denen Bodenseer laut Homepage wahrgenommen werden will – „fair, ehrlich sein, andere gelten lassen“. „Geht nicht, gibt's nicht“, verrät er andernorts als Lebensmotto. Was es alles gibt, könnte man umgekehrt fragen. Und im konkreten Fall zu dem Schluss kommen: Das geht nicht!

 

klaus.hoefler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2011)

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