Die üblichen Verdächtigen

Die Wiener Charta wird wohl nur von denen geschrieben, die jetzt schon laut sind.

Die Wiener Charta trägt die Handschrift der Grünen: Fast schon basisdemokratisch sollen Wiens Bürger Spielregeln aushandeln, wie man besser zusammenleben soll. Klingt gut, schließlich fühlt sich der Bürger ernst genommen, wenn er einmal bei einem Thema selbst mitreden darf. Allein, die Ernüchterung wird wohl bald einsetzen. Denn einerseits werden all jene, die vor allem die Wut antreibt, den mühsamen Weg der Diskussion nicht lange mitgehen. Andererseits werden deswegen in den diversen Gruppen bald nur die üblichen Verdächtigen sitzen, die auch jetzt schon organisiert sind, soll heißen NGOs, Caritas, Pfarren, basisdemokratisch erfahrene Initiativen...

Am Ende wird wohl ein ambitioniertes Papier stehen, das Allen verantwortungsvolles Handeln abverlangt. Doch ob das reicht, um – tatsächlich vorhandene oder auch nur gefühlte – Probleme zu lösen? Hoffen darf man das. Daran glauben fällt aber schwer.

 

erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2012)

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