Österreichs absurde Strafe für die Ukraine

Wiens diplomatisches Arsenal ist um eine Waffe reicher: den theoretischen Boykott.

Die hohe Kunst der Diplomatie hat in Österreich Tradition – angefangen bei der Heiratspolitik der Habsburger über den Wiener Kongress bis hin zu Bruno Kreiskys Einsatz im Nahen Osten. Als Ideengeber waren die Österreicher stets willkommen, und nun haben sie den diplomatischen Werkzeugkasten um ein neues Instrument bereichert: den theoretischen Boykott.

Dieses zweifellos äußerst wirkungsvolle Druckmittel hat man sich in Wien einfallen lassen, um die ukrainische Regierung dazu zu zwingen, die inhaftierte Julia Timoschenko besser zu behandeln. Österreich wird also die EM-Spiele in der Ukraine boykottieren – knallhart und indirekt, denn das rot-weiß-rote Fußballteam kann in Ermangelung einer Qualifikation an den Meisterschaften gar nicht teilnehmen.

Konsequent zu Ende gedacht, bietet diese neue diplomatische Waffe ungeahnte Möglichkeiten. Sicher ist, dass Japan schnell einen Stopp des Walfangs beschließen würde, sollte sich Österreich endlich dazu entschließen, den Sumo-Meisterschaften fernzubleiben. Und auch die USA hätten längst das Kyoto-Protokoll ratifiziert, stünde die Drohung eines österreichischen Baseball-Embargos im Raum.

Nur am autokratischen Aserbaidschan beißt sich die heimische Diplomatie noch die Zähne aus: Wie kann man den Song Contest in Baku boykottieren, wo doch die Trackshittaz hinfahren?

 

michael.laczynski@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2012)

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